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Geldpolitik
Das sind die Erwartungen an die SNB

Die Schweizer Notenbank steht im Fokus der Beobachter: Am Donnerstag gibt sie ihre nächsten Massnahmen bekannt. Das Öffnen der Geldschleusen durch die EZB hat die Vorzeichen verändert.

Karen Merkel
Von Karen Merkel
am 14.03.2016

Die neue Geldschwemme der Europäischen Zentralbank hat die Märkte beflügelt. Der deutsche Leitindex Dax stieg heute erstmals seit Januar über 10'000 Punkte, auch der SMI lag knapp im Plus. Der Blick der Investoren richtet sich allerdings nach vorne: auf die Notenbanksitzungen von SNB und Fed Mitte dieser Woche.

Im Vorfeld der EZB-Sitzung war befürchtet worden, dass die SNB unter Zugzwang geraten könnte. Doch Präsident Thomas Jordan hat offenbar Glück: Der Schweizer Franken hat lediglich am Donnerstag kurz aufgewertet, sich aber seither abgeschwächt. Das dürfte der SNB Luft verschaffen und eine weitere Zinssenkung überflüssig machen.

«Keinen Handlungsbedarf»

«Die SNB hat keinen Handlungsbedarf, besonders mit einem Franken bei nun 1,10 Franken zum Euro, sagte Manuel Andersch, Ökonom der Bayern LB, gegenüber Bloomberg. «Da die Wahrscheinlichkeit vorerst für das Ende weiterer Zinssenkungen spricht, hat die EZB nach unserer Einschätzung den Druck von der SNB genommen, die Geldpolitik weiter zu lockern.»

Dass die alten Automatismen nicht mehr greifen hat zum Teil mit Jordans aggressivem Einsatz negativer Zinsen sowie mit seinen Interventionsdrohungen zu tun, die die Attraktivität des Frankens mindern. Seit Jahresbeginn hat die Schweizer Währung gegenüber dem Euro um fast zwei Prozent abgewertet.

«Negativzins bleibt auf Jahre erhalten»

Eingriffe am Devisenmarkt erwarten einige Marktbeobachter darum schon. «Die SNB wird nicht darum herumkommen, weiterhin an den Devisenmärkten zu intervenieren», sagt Mario Geniale, CIO der Banque CIC im Börsenausblick von Finanzen.ch. Er schliesse auch eine weitere Senkung des Franken-Libors nicht aus, obwohl es nicht sein Basisszenario sei. Sicher sei dafür, «dass der Negativzins uns noch weitere Jahre erhalten bleibt.»

Im Gegensatz zur EZB stehen die Vorzeichen bei der SNB also eher auf einer Politik der kleinen Schritte, auch um ihr Instrumentarium wirksam zu halten. «Die SNB wird sich aber hüten, vorschnell eine der wenigen Zinssenkungen vorzunehmen, die ihr noch zur Verfügung stehen», schreiben die Analysten von Anleihenmanager Bantleon in ihrem Marktausblick. «Auch eine Reduktion des Freibetrages für Gelder der Banken, die bei der SNB nicht negativ verzinst werden müssen, wäre nicht nachvollziehbar.»

Angst vor der Flucht ins Bargeld

Sollte sich die SNB für diesen Schritt entscheiden, würde das die Devisenmärkte irritieren und die Zinsabsicherungskosten der Banken massiv erhöhen, so die Experten. «Höhere Kreditzinsen für Hypotheken und andere Kredite wären die unmittelbare Folge. Zudem würde die Wahrscheinlichkeit steigen, dass die Banken die Negativzinsen an die Kunden weitergeben.»

Etwas Spielraum bleibt noch: Laut einer aktuellen Bloomberg-Umfrage unter Volkswirten kann die SNB den Einlagensatz bis auf minus 1,25 Prozent absenken, bevor eine Flucht ins Bargeld einsetzt. Die Notenbank kann ausserdem ihre Bilanz von derzeit 100 Prozent bis auf 128 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der Schweiz ausweiten ohne dass ihre Glaubwürdigkeit leidet, so ein weiteres Ergebnis der Umfrage vom 15. Februar.

Zinsentscheid der Fed

Doch der Atem der SNB muss noch eine Weile reichen – auch angesichts erwarteter Zinserhöhungen von Seiten der Fed. An der Sitzung am Mittwoch, so das Gros der Analysen, dürfte die amerikanische Notenbank allerdings stillhalten, nachdem sie im Dezember mit dem ersten Plus seit fast zehn Jahren die Zinswende eingeläutet hatte. Wahrscheinlich ist ein Zwischenschritt: Nachdem die US-amerikanische Notenbank im Januar mit ihrer Einschätzung zur Weltwirtschaft vage blieb, dürfte sie dieses Mal eine deutliche Einschätzung liefern.

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