«Ferien in der Schweiz – jetzt erst recht»:  Der Direktor von Schweiz Tourismus, Jürg Schmid, appelliert im «Sonntagsblick» an die Schweizer, die noch keine billigen Ferien im Ausland gebucht haben. Ob die sich von der patriotischen Aufforderung beeindrucken lassen? Fraglich, denn noch nie waren für Schweizer Touristen Auslandferien so attraktiv wie heute. Warum also in der teuren Schweiz Ferien machen?

Was für Schweizer gilt, gilt noch viel mehr für ausländische Touristen. Angesichts des rekordteuren Frankens meiden sie die Schweiz. Das gilt nicht nur für Touristen aus dem Euro-Raum, vor allem Deutschland und Frankreich, sondern auch für die Gäste aus den USA und Grossbritannien. Denn auch ihre Währungen sind im Keller. «Das Pfund ist nach Euro und Dollar die wichtigste Währung im Schweizer Tourismus», sagt Schmid. Und der Wechselkurs der britischen Währung ist ebenfalls dramatisch gesunken.

In die gleiche Kerbe schlägt Guglielmo Brentel, Präsident von Hotellerie Suisse: «Rund 1000 Hotels sind aus meiner Sicht gefährdet», sagt er gegenüber der «NZZ am Sonntag». In den ersten fünf Monaten dieses Jahres seinen die Übernachtungen von Deutschen und Niederländern um je acht Prozent zurückgegangen, diejenigen der Briten um sechs Prozent.

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Bereits dieses Jahr gerieten deshalb viele Hoteliers in der Schweiz an ihre finanziellen Grenzen, sagt auch Jürg Schmid. Und: «Es wird solche geben, die das nicht überleben».

Nicht alles rabenschwarz

Aber es gibt auch Lichtblicke: Inder, Chinesen und Russen lieben die Schweiz – und leisten sich das teure Pflaster. Die Übernachtungen indischer Gäste haben gemäss «NZZ am Sonntag» um 33 Prozent zugenommen, diejenigen der Chinesen um 30 und der Russen um 12 Prozent.

Und Schweiz-Tourismus-Direktor Schmid sieht auch einen Vorteil in der hohen Zuwanderung, namentlich aus Deutschland. «Viele dieser Leute wollen unser Land erkunden und laden ihre Freunde dazu ein.»  Allerdings: Den Exodus der Schweizer Touristen ins Ausland und die fehlenden Gäste aus dem Euro-Raum können weder die Gäste aus Asien und Russland noch die Deutschen in der Schweiz ausgleichen.

(cms)