Je schneller das Feuer dem "Sechseläuten"-Böögg den Garaus macht, um so schöner und heisser wird der Sommer. So jedenfalls will es der Zürcher Volksmund.  Da der Böögg im Durchschnitt 14 Minuten überlebt, stehen die Zeichen für diesen Sommer sehr gut: Das Wintersymbol war heuer schon nach knapp elf Minuten "tot" - der Zürcher Sommer wird also prächtig.

Der Montag hielt sich bereits an die Vorhersage: Der Umzug der Zünfter konnte bei schönstem Frühlingswetter und warmen Temperaturen durchgeführt werden. Rund 3500 Zünfter, 1300 Musiker und 1000 Kinder zogen in historischen Kostümen von der unteren Bahnhofstrasse zum Sechseläutenplatz.

Gastkanton war in diesem Jahr Basel-Land, das mit dem Motto "Salve Züri, s'Baselbiet isch Füür und Flamme" an die Limmat reiste und dem Böögg einen traditionellen "Chienbäse" in die Hand drückte, einen Reisigbesen aus Föhrenscheiten.

Zehntausende Schaulustige verfolgten den Umzug und deckten die Zünfter und Ehrengäste mit Blumen und Küsschen ein. Als Gäste eingeladen waren unter anderem die Bundesräte Johann Schneider-Ammann und Ueli Maurer sowie die Alt Bundesräte Hans-Rudolf Merz und Christoph Blocher. Letzterer erhielt so viele Blumen geschenkt, dass er diese kaum mehr halten konnte.

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Gut gelaunt trotz Wahlniederlage

Auch Armeechef André Blattmann, der tschechische Aussenminister Karl zu Schwarzenberg, der Basler Verleger Moritz Suter und SBB-Verwaltungsratspräsident Ulrich Gygi liessen sich die Gelegenheit nicht entgehen, ein Bad in der Menge zu nehmen.

Mitmarschiert ist auch der Zürcher CVP-Regierungsrat Hans Hollenstein, der grosse Wahlverlierer des vorletzten Sonntags. Er musste seinen Sitz einem Grünen überlassen. Die Niederlage war ihm zumindest an diesem Nachmittag aber nicht anzusehen.

Zum ersten Mal mit Frauen-Zunft

Eine Premiere gab es gleich zu Beginn des Umzuges: Zum ersten Mal durfte die "Gesellschaft zu Fraumünster" am Umzug mitlaufen - und dann auch gleich an zweiter Stelle. Die Frauen-Zunft existiert seit 22 Jahren, durfte bis jetzt aber nur entweder auf einer anderen Route oder dann eine halbe Stunde vor dem offziellen Umzug durch die Stadt ziehen. Frauen werden in die alten Zünfte nach wie vor nicht aufgenommen.

In diesem Jahr luden die Zünfter die Frauen aber offiziell ein. Ob die Damen in ihren Burgfräulein-Gewändern im nächsten Jahr wieder dabeisein dürfen, entscheiden die Zünfter im Herbst. Das Thema sorgt am Abend garantiert für Gesprächsstoff, wenn die Zünfter bis tief in die Nacht sich gegenseitig feuchtfröhliche Besuche in ihren Zunfthäusern abstatten.

(cms/sda)