März 2008: Im Zuge des Steuerstreits zwischen Deutschland und Liechtenstein (Stichwort Verkauf gestohlener Steuerdaten des Liechtenstein Global Trust LGT) gerät auch die Schweiz als «Steueroase» ins Visier deutscher Steuerfahnder und Politiker.

13. März 2009: Nachdem die Schweiz von der OECD provisorisch auf eine schwarze Liste der Steueroasen gesetzt wurde, beschliesst der Bundesrat, die OECD-Standards bei der Amtshilfe in Steuersachen zu übernehmen. Damit wird das Bankgeheimnis gelockert: Rechtshilfe wird nicht nur bei Steuerbetrug, sondern auch bei Steuerhinterziehung möglich.

Mitte März 2009: Der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück vergleicht im Steuerstreit die Schweiz mit Indianern, die von der US-Kavallerie aufgescheucht wurden, was zu Schweizer Protesten führt.

2. Juli 2009: Der deutsche Bundestag billigt ein strengeres Gesetz gegen Steuerhinterziehung.

Jan./Feb. 2010: Ein Informant verkauft den deutschen Behörden für 2,5 Mio. Euro Daten von 1500 Anlegern, die ihr Geld möglicherweise am Fiskus vorbei in der Schweiz angelegt haben. Es folgen weitere Fälle von Datenklau. Tausende von deutschen Steuersündern zeigen sich selbst an.

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26. März 2010: Die Finanzminister Hans-Rudolf Merz und Wolfgang Schäuble einigen sich grundsätzlich auf ein neues Doppelbesteuerungsabkommen. Neu soll die Amtshilfe nicht nur bei Steuerbetrug, sondern auch bei Steuerhinterziehung gelten.

14. Juli 2010: Die Filialen der Credit Suisse in Deutschland werden durchsucht. Auslöser ist eine vermutlich gestohlene CD.

27. Okt. 2010: Unterzeichnung des neuen Doppelbesteuerungsabkommens Schweiz-Deutschland. Wie mit Grossbritannien soll auch mit Deutschland eine Abgeltungssteuer eingeführt werden.

Mitte Nov. 2010: EU-Steuerkommissar Algirdas Semeta sowie Italiens Finanzminister Giulio Tremonti kritisieren die geplanten Abkommen der Schweiz mit Deutschland und Grossbritannien. Sie schadeten damit einem geschlossenen Vorgehen auf EU-Ebene.

15. Feb. 2011: Die Verhandlungen über eine Abgeltungssteuer zwischen der Schweiz und Deutschland beeinflussen den EU-internen Steuerstreit. Beim Treffen der EU-Finanzminister in Brüssel zeigt sich, dass erst eine Lösung gefunden werden kann, wenn die Resultate der Verhandlungen bekannt sind.

17. Juni 2011: Die Eidg. Räte bringen die erleichterte Amtshilfe bei zehn Doppelbesteuerungsabkommen, unter anderem mit Deutschland, unter Dach. Die Schweiz soll Amtshilfe leisten, wenn der Steuerpflichtige identifiziert ist, wobei diese Identifikation auch auf andere Weise als durch Angabe des Namens und der Adresse erfolgen kann. In Frage kommen etwa eine Kontonummer oder eine Sozialversicherungsnummer.

Juli 2011: Deutsche und Schweizer Medien berichten über die Fortschritte beim Abkommen mit Deutschland über eine Abgeltungssteuer.

10. August 2011: Die Schweiz und Deutschland paraphieren das Abkommen: Schweizer Banken sollen in Zukunft auf Kapitalerträge deutscher Bürger eine Abgeltungssteuer von 26 Prozent erheben. Für die Altvermögen zahlen die Banken zudem pauschal 2 Milliarden Franken.

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(cms/rcv/sda)