Wenige Länder haben die Auswirkungen der Finanz- und Euro-Krise im Tourismus stärker zu spüren bekommen als die Schweiz. Reisen in die Schweizer wurden durch den starken Franken teuer in Zeiten, in den auch Urlauber stärker auf die Ausgaben achten. Die Folge: Die Zahl der Übernachtungen ist seit 2008 um 7 Prozent zurückgegangen, wie die OECD in ihrem aktuellen Bericht zu Reisen und Tourismus festhält. Doch die Trendwende ist deutlich zu spüren.

2012 stieg die Zahl der Übernachtungen ausländischer Gäste erstmals seit vier Jahren wieder, auf 8,6 Millionen – um 0,4 Prozent. Der Trend setzte sich in der ersten Hälfte 2013 fort. Dazu passen auch die aktuellen Zahlen der Schweizer Hotelbranche:  Sie verzeichnete in diesem Januar 2,8 Millionen Gäste. Das sind 1,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Die Tourismusbranche hat einen Anteil von 2,7 Prozent am Schweizer Bruttoinlandprodukt und stellt insgesamt 146'000 Arbeitsplätze.

Zweitwohnungsinitiative erschwert Hotelbau

Die OECD lobt an dieser Stelle die Förderstrategie des Schweizer Bundesrates. Dieser stellt in einem Impulsprogramm 200 Millionen Franken für die Standortförderung zur Verfügung – die Schweizer Gesellschaft für Hotelkredit erhält davon 100 Millionen Franken zusätzlich. Das Programm kommt allerdings erst 2016.

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Gleichzeitig verweist die OECD auf die Herausforderungen, vor denen die Tourismusbranche international steht. «Länder und Reiseveranstalter werden sich schnell auf neue Marktgegebenheiten einstellen müssen, wenn sie Besucher aus dem Ausland anziehen wollen», sagte der Direktor des OECD Centres für Unternehmertum, KMUs und lokale Entwicklung, Sergio Arzeni, bei der Vorstellung des Berichts auf der ITB in Berlin.

Hotelbau wurde gebremst

In diesem Zusammenhang gibt es auch einen grossen Kritikpunkt: Die Annahme der Zweitwohnungsinitiative habe die strukturelle Entwicklung erheblich erschwert. Ein Bereich, in dem die Schweiz ohnehin Nachholbedarf habe, so die OECD.

Da es nunmehr untersagt ist, in Gemeinden mit mehr als 20 Prozent Zweitwohnungen neue zu bauen, ist auch der Hotelbau gerade in beliebten Reisegegenden gebremst. Hotelneubauten seien schwieriger zu finanzieren als zuvor, so die OECD. Insgesamt aber, so das Fazit der OECD, habe die Schweiz die richtigen Weichen gestellt und könne in den nächsten Jahren mit einem Aufschwung im Tourismus rechnen.