Handelszeitung Online: Der Branchenverband Hotelleriesuisse vermeldete für das 1. Halbjahr 2012 einen deutlichen Rückgang bei den Logiernächten. Inwieweit ist eine Krise in Ihrem Hotel zu spüren?
Thomas Schmid: Für unser City Resort spüren wir eine gewisse Zurückhaltung im Buchungsverhalten, doch als Krise kann dies nicht bezeichnet werden. Je nach Markt ist das Buchungsverhalten sehr unterschiedlich, die Kurzfristigkeit hat nochmals zugenommen.


Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Welcher Umstand macht Ihnen derzeit mehr zu schaffen: der starke Schweizer Franken oder die schwelende Wirtschaftskrise?
Als Fünf-Sterne-Stadthotel macht uns mehr die unsichere Wirtschaftslage in den europäischen Märkten zu schaffen. Da aber unsere Zielmärkte auch ausserhalb dieser Zone liegen, kann die schwächere Nachfrage durch andere Märkte teilweise kompensiert werden.

Vergleichsweise glimpflich kommen in der Statistik die 5-Stern-Betriebe davon, trotzdem ist von massivem Preisdruck die Rede.
Besonders im Segment der Gruppengeschäfte, also Meetings und Incentives, hat der Druck stark zugenommen. Einige hochwertige Hotelprodukte verkaufen sich zu Dumpingpreisen, was nur kurzfristig eine erfolgreiche Strategie sein kann. Zu diesen Hotels gehören wir sicher nicht.

Immer wieder werden die aufstrebenden Märkte Brasilien, Russland, Indien und China als Wachstumsmotor genannt.
Sieht man die Veränderung der Märkte über längere Zeit, so haben sich Deutschland und England seit vielen Jahrzenten positiv entwickelt - ein Effekt, der in den vergangenen Monaten aber abgenommen hat. So ist es normal, dass sich andere und neue Märkte hervortun und Interesse an der Destination Schweiz entwickeln. Persönlich sehe ich diese Entwicklung der sogenannten BRIC-Staaten positiv - wir sollten uns auf neue Nationalitäten ausrichten, welche uns bis jetzt noch nicht so vertraut sind. Dabei ist zu erwähnen, dass Russland schon seit längerer Zeit bereits ein wichtiger, existierender Markt ist.

Welche weiteren Regionen sehen Sie als Hoffnungsträger?

Die genannten Brasilien, Indien und China sind die wichtigsten «Newcomer», wobei sich noch weisen muss, ob es die individuelle Klientel im Luxussegment wirklich gibt. Für gewisse Regionen und Produkte in der Schweiz wie speziell für die Destination Zürich werden die Golf-Staaten besonders im 5-Sterne-Bereich immer wichtiger. Auch Mexiko ist zu erwähnen.

Ein gefundenes Fressen für die Medien war natürlich das Ausbleiben der deutschen Gäste. Worauf führen Sie den stolzen Rückgang von 15 Prozent primär zurück?

Ich kann dies nur aus Sicht des Dolder Grand beantworten: Bei uns ist der bescheidene Rückgang in Prozent eine einstellige Ziffer.

In welchem Zeitraum?
2011 verglichen mit 2012 - jeweils seit Jahresbeginn.

Weshalb ist dieser Effekt kleiner als der durchschnittliche Rückgang?
Der 5-Sterne-Gast ist weniger sensibel, sofern das Produkt und die Qualität stimmen.

Was muss sich ändern, damit die Schweiz als Tourismusland wieder auf den Wachstumspfad zurückkehrt – und wie ist dies in Ihren Augen zu erreichen?
Ich bin nicht Tourismusexperte, sondern Managing Director eines Teilproduktes der Tourismusindustrie. Persönlich denke ich, dass mehr Einmaligkeit und mehr Emotionen gefragt sind sowie eine grössere Authentizität mit echter Gastfreundschaft.

Thomas Schmid ist Managing Director von «The Dolder Grand» in Zürich.