Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse hat seine Prognose für das Wachstum des realen Schweizer Bruttoinlandproduktes (BIP) leicht nach oben angepasst. Neu wird für das laufende Jahr 2012 mit einem Wachstum von 0,9 Prozent gerechnet, bei der letzten Prognose vom Dezember war noch ein Plus von 0,5 Prozent geschätzt worden. Erstmals wird auch eine Prognose für das nächste Jahr veröffentlicht, und zwar soll das Schweizer BIP 2013 um 0,8 Prozent zulegen.

Trotz der leichten Prognoseanhebung, die in erster Linie mit den letzte Woche veröffentlichten und über den Erwartungen ausgefallenen Q1-Zahlen zu tun haben dürfte, äussert sich der Verband zurückhaltend. Die kleine, offene Volkswirtschaft Schweiz sei Teil Europas und werde durch die negativen Entwicklungen belastet, heisst es in einer Mitteilung vom Montag. Die Wachstumsraten der Schweiz lägen deshalb während der nächsten zwei Jahre klar unter dem Wachstum des Potenzialoutputs. Vor dem Hintergrund der Euro-Krise seien die Wachstumsraten aber dennoch positiv zu bewerten und zeugten von einer wettbewerbsfähigen Volkswirtschaft.

Relative tiefe Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit bleibt laut Economiesuisse mit 3,3 Prozent (2012) und 3,5 Prozent (2013) relativ tief. Weil sich die Schweizer Industrie schon seit Jahren kontinuierlich aus der Herstellung von arbeitsintensiven Exportprodukten zurückgezogen habe, falle der Arbeitsplatzabbau - trotz Rückgängen bei der Textil-, Maschinen- oder der Verpackungsindustrie - für die Exportindustrie relativ moderat aus, heisst es zur Begründung.

Die Fixierung der Untergrenze des Eurokurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) habe sich bisher bewährt, meint man beim wichtigsten Schweizer Wirtschaftsverband weiter. Sie habe den Unternehmen die wichtige Planungssicherheit zurückgebracht.

Kleine Inflationsgefahr

Economiesuisse geht davon aus, dass die SNB die kurzfristigen Zinsen aufgrund der schwerwiegenden und anhaltenden Probleme im Euro-Raum in den nächsten Monaten weiterhin konstant tief halten wird. Erst im Laufe des Jahres 2013 könnte sich dies ändern, wenn es zu einer Stabilisierung der Staatsverschuldungskrise komme und die Funktion des Frankens als sicherer Hafen wieder an Bedeutung verliere.

Trotz der rekordtiefen Zinsen sei die Inflationsgefahr in diesem und nächsten Jahr klein. Die leichten Preisauftriebe des Binnenmarkts würden durch die Importdeflation kompensiert, sodass in diesem Jahr insgesamt mit einem leicht rückläufigen Preisniveau und im nächsten Jahr mit stabilen Preisen gerechnet werden könne.

(vst/awp)

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