Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse plädiert für eine Erhöhung des Euro-Franken-Mindestkurses. «Ich hoffe, dass die Notenbank das Kursziel erhöht, wenn sich die Gelegenheit ergibt», sagte Economiesuisse-Präsident Gerold Bührer der «SonntagsZeitung».

Derzeit sei der Franken weiter signifikant überbewertet, denn der Gleichgewichtskurs zum Euro liege zwischen 1,30 und 1,40 Franken. Die Bremsspuren in der Schweizer Wirtschaft infolge der globalen Wachstumsabschwächung und des überhöhten Frankens würden immer deutlicher, hielt Bührer in dem Interview fest.

Am 6. September hatte die Schweizerische Nationalbank einen Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken verkündet. Der Zeitpunkt für diese Intervention sei taktisch sehr geschickt gewesen, sagte Bührer.

«Wegen des Verfassungsgerichtsentscheides in Deutschland und der Inspektion der Troika in Griechenland waren grosse Short-Positionen im Markt»" Die SNB habe die Baissiers auf dem falsche Fuss erwischt und diese zu Deckungskäufen genötigt.«"Ich schliesse nicht aus, dass die SNB bei ähnlicher Gelegenheit erneut handelt», sagte Bührer.

Das Thema Wechselkurs dürfe aber auch nicht überbewertet werden. «Ein Kurs von 1,30 Franken wäre sicherlich ein Weihnachtsgeschenk für die ganze Wirtschaft. Die Verschuldungskrise in Europa und den USA ist aber die grössere Gefahr für die Schweizer Wirtschaft.»

Keine Rezession

Eine Rezession drohe der Schweiz im nächsten Jahr aber nicht, «vorausgesetzt, dass die Schuldenkrise nicht explodiert», sagte Bührer. Das Wachstum werde sich aber deutlich abschwächen, vor allem in der Exportindustrie und im Tourismus.

«Ich rechne in der Schweiz mit einem Wachstum von 1 Prozent. Das ist nur noch halb so viel wie im laufenden Jahr.» Im Juni noch hatte Economiesuisse für 2011 ein Wachstum um 2,1 Prozent und für 2012 um 1,7 Prozent prognostiziert. Die Arbeitslosenquote werde nun von 2,8 auf über 3 Prozent steigen, aber die Schwelle von 4 Prozent nicht erreichen, sagte Bührer.

Verlagerungen von Produktionsprozessen in Ausland dürften zwar nicht tabu sein. «Unsere Umfrage hat aber ergeben, dass die Firmen zuerst andere Massnahmen einleiten wie Rationalisierung der Abläufe, Einsparungen im Einkauf, höhere Innovationsanstrengungen und die Erschliessung neuer Märkte.»

Um möglichst viele Jobs zu erhalten, sei Mässigung bei der Lohnrunde 2012 ein Gebot der Stunde. Im Schnitt rechnet Bührer mit einer Erhöhung der Lohnsumme um 1 Prozent, mit grossen Unterschieden von Branche zu Branche.

(rcv/sda)