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Prognose
ETH-Forscher sagen Rezession voraus

Folgen des Franken-Schocks: Der Schweiz dürfte im Sommerhalbjahr laut der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich in eine kurze Rezession rutschen. Die Forscher schrauben ihre Prognose klar zurück.

Veröffentlicht am 28.01.2015

Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) schockt die Schweizer Wirtschaft. Die hiesige Konjunktur dürfte im Sommerhalbjahr eine kurze Rezession durchmachen, prognostiziert die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (Kof). Wegen der schlagartigen Aufwertung des Frankens dürften die Exporte «in der ersten Hälfte des laufenden Jahres stark sinken», schreiben die Experten.

Für das Gesamtjahr 2015 rechnen die Konjunkturauguren mit einem Rückgang des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 0,5 Prozent. Vor der Aufhebung des Euro-Mindestkurses hatten die Ökonomen noch ein Wachstum von 1,9 Prozent erwartet.

Export-Einbruch erwartet

«Allerdings muss betont werden, dass heftige Schocks wie eine abrupte Währungsaufwertung um 20 Prozent die Prognosegüte von Konjunkturmodellen beeinträchtigen», warnt die Kof.

Die Konjunkturforscher rechnen wegen der Franken-Hausse mit einem Einbruch der Exporte in diesem Jahr um 1,4 Prozent. Neben den Warenexporten würden der Tourismus und die Finanzdienstleistungen leiden. Gleichzeitig führe der Zerfall der Ölpreise zu einem Einbruch der Erlöse aus dem grösstenteils von der Schweiz aus abgewickelten internationalen Ölhandel.

Hoffen auf treue Kunden

Die Firmen würden nicht sofort auf die geringere Nachfrage aus dem Ausland reagieren, sondern zunächst auf Lager produzieren. Ab dem zweiten Quartal dürfte dann aber die Produktion eingeschränkt werden.

Die Exporte würden kurzfristig einbrechen, könnten aber später wieder vom Anziehen der Weltwirtschaft profitieren. Diejenigen Kunden, die Schweizer Produkten trotz des teuren Frankens die Treue hielten, würden ihre Nachfrage mit der Zeit wieder erhöhen.

Schockwellen ins Inland

Allerdings erreiche die Nachfrage nicht mehr das Niveau wie vor der Franken-Aufwertung. Im nächsten Jahr dürften die Exporte wieder um 2,8 Prozent wachsen. Das ist deutlich weniger als die Kof bislang erwartet hatte (+4,8 Prozent).

«Der aussenwirtschaftliche Schock überträgt sich auf das Inland», hiess es weiter. Dabei halte sich der private Konsum angesichts sinkender Preise und des Einkaufstourismus zunächst noch gut. Der private Konsum dürfte heuer aber lediglich noch um 1,3 Prozent zulegen, nachdem die Kof bislang ein Wachstum von 2,1 Prozent vorhergesagt hatte.

Lage auf dem Bau trübe

Investitionen in Ausrüstungen würden zunehmend zögerlich getätigt, weil die abrupte Aufwertung des Frankens den Produktionsstandort Schweiz noch unattraktiver gemacht habe, der bereits durch die Zweifel am Fortbestand der bilateralen Verträge mit der EU gebeutelt sei. Die Investitionen in Ausrüstungen dürften 2015 stagnieren und im nächsten Jahr um 3 Prozent absacken, schätzte die Kof.

Gleichzeitig werde sich die Lage auf dem Bau eintrüben. Dies stehe aber in keinem Zusammenhang mit der Franken-Aufwertung, sondern habe sich bereits im vergangenen Jahr abgezeichnet. Die Bauinvestitionen dürften 2015 um 1,4 Prozent schrumpfen.

Mehr Arbeitslose

Zudem verdüstert sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt markant. Denn die angespannte Lage der Unternehmen bedeute Steuerausfälle für die öffentliche Hand. Deshalb würden die öffentliche Verwaltung sowie das Bildungs- und Gesundheitswesen, die seit der Finanzkrise zu den Jobmotoren gehört hätten, immer weniger Arbeitskräfte nachfragen. Gleichzeitig würden im privaten Sektor Stellen abgebaut, hiess es.

Die Arbeitslosenquote werde von 3,2 Prozent im vergangenen Jahr auf 3,4 Prozent steigen. 2016 werde sie gar 4,1 Prozent erreichen, schätzt die Kof. Die Verschlechterung der Beschäftigungslage drossele Lohnerhöhungen und lasse nächstes Jahr das gesamte Arbeitnehmereinkommen stagnieren. «Darauf reagieren die Privathaushalte in zunehmenden Mass mit Konsumzurückhaltung trotz sinkender Preise«, schreibt die Kof. Im nächsten Jahr dürfte sich das Wachstum des Privatkonsums auf 0,2 Prozent abschwächen.

Auch Safra Sarasin rechnet mit Rezession

Mit ihrer Prognosesenkung ist die Kof nicht alleine. Zuvor hatten bereits die UBS und die Zürcher Kantonalbank (ZKB) ihre BIP-Prognose für 2015 auf 0,5 Prozent gestutzt. Die Credit Suisse rechnet mit einem Plus von noch 0,8 Prozent.

Und auch die Ökonomen von Safra Sarasin haben ihre Konjunktur-Prognosen nach Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die SNB derweil drastisch gesenkt. Sie rechnen nun in den ersten zwei Quartalen 2015 mit negativen Wachstumsraten und sprechen - entsprechend der üblichen Definition für zwei Quartale mit negativen Wachstumsraten in Folge - von Rezession in der Schweiz. Für das Gesamtjahr bleibt die Prognose für das reale BIP-Wachstum knapp im Plus.

Ausweichreaktionen unumgänglich

Die Schweizer Wirtschaft sei bis zur plötzlichen Aufhebung der Franken-Untergrenze durch die SNB auf einem soliden Wachstumspfad unterwegs gewesen, heisst es im neuesten «Macro Focus» der Bank. Die Aufhebung der Untergrenze habe aber inzwischen zu einer handelsgewichteten Aufwertung von rund 17 Prozent in so kurzer Zeit geführt, dass Ausweichreaktionen der Konsumenten, der Exporteure und Importeure unumgänglich seien.

(sda/tno/moh)

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