Dass die Exportindustrie unter dem starken Franken leidet, ist nicht neu. Angesichts des Leidensdrucks schiessen nun aber Lösungsvorschläge aller Art ins Kraut. Während Ex-SP-Präsident Peter Bodenmann und Dolder-Besitzer Urs Schwarzenbach in der Zeitung «Der Sonntag» die Einführung des Euro in der Schweiz fordern, setzt der VR-Präsident von Von Roll auf einen vorübergehenden künstlichen Umtauschkurs von 1.45 Franken pro Euro.

«Betroffene Firmen erhielten dann künftig - zeitlich beschränkt - nach wie 1.45 Franken statt wie jetzt nur 1.15 Franken für ihre Euroumsätze», sagte Brand der Zeitung «Zentralschweiz am Sonntag». Die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfe den Vorzugskurs auch an Bedingungen knüpfen, sagte Brand. Die Gelder könnten beispielsweise für Innovationen oder für die Pensionskassen verwendet werden.

VonRoll infratec ist direkt und indirekt zu 90 Prozent vom Export abhängig und hat laut Brand durch den Kurszerfall der Einheitswährung 15 Prozent an Umsatz eingebüsst. Das Unternehmen ist aus dem Giesserei- und Wassergeschäft des Von-Roll-Konzerns entstanden.

Brand versteht seine ungewöhnliche Forderung als Weck- und Hilferuf an die Politik. Die Verantwortlichen, namentlich Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann, reagierten auf die Dramatik der Euro- und Dollarkrise nicht entschieden genug.

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Weniger Steuern zahlen

Es gehe aber um die Substanz des Werkplatzes Schweiz, warnt der Konzernlenker. Deswegen will Brand auch bei den Steuern ein Zeichen setzen: «Wenn wir 15 Prozent weniger einnehmen, dann können wir halt auch nur 15 Prozent weniger abliefern».

«Konkret heisst das, dass wir beispielsweise eine Abgaberechnung in der Höhe von einer Million Franken nur im Umfang von 800'000 Franken bezahlen», sagt Brand. Dies sei keine Steuerverweigerung, sondern «zeitgerechte Berücksichtigung» einer fundamentalen Krise.

Warum nicht gleich den Euro?

«Hätte die Schweiz den Euro, würden wir zur Zeit eine Superkonjunktur erleben», sagt Ex-SP-Präsident und Hotelier Peter Bodenmann in «Der Sonntag». Grund genug, die Gemeinschaftswährung in der Schweiz einzuführen. Die gleiche Lösung schlägt Unternehmer und Dolder-Besitzer Urs E. Schwarzenbach vor: «Wir müssten den Franken in Euro konvertieren und den Euro einführen». Denn die Nationalbank könne mit ihren Währungsreserven gar nichts ausrichten gegen die Frankenstärke.

Der Haken daran: Die Einführung des Euro in der Schweiz wäre politisch nie und nimmer mehrheitsfähig. Das weiss auch Peter Bodenmann: «Wir leben in einem Land voller Mythen. Und einer dieser Mythen ist, dass wir eine eigenständige Geldpolitik betreiben».

Auch die Politik meldet sich

Kritik an Wirtschaftsminister Schneider-Amman äussert auch der Parteipräsident der CVP, Christophe Darbellay. Schneider-Ammann habe das Problem wohl erkannt, aber er bringe keine Lösungsvorschläge, sagte der CVP-Chef gegenüber der «Südostschweiz am Sonntag». «Jetzt geht er in die Ferien. Das ist falsch, denn wir dürfen nicht noch mehr Zeit verlieren.»

Darbelley will deswegen eine Sondersession zur Franken- und Europroblematik. Dafür müsse der Bundesrat Vorgehensweisen ins Gespräch bringen, über die das Parlament nach der Sommerpause beraten könne. Auch die SNB müsse in den «Masterplan» einbezogen werden.

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Eine Absage erteilte der CVP-Chef aber der Forderung der SP, den Franken an den Euro anzubinden sowie den UBS-Vorschlag eines 100-Milliarden-Staatsfonds. Die Schweiz brauche weiter gesunde Staatsfinanzen.

«Mehr arbeiten»

Gegen Staatshilfen ist auch SVP-Präsident Toni Brunner, der in der «Samstagsrundschau» auf Schweizer Radio DRS eine Steigerung der Produktivität als Mittel gegen die Folgen der Frankenstärke nannte. Dies bedeute, dass Arbeitszeiten verlängert werden müssten. Für Brunner ist dies eine ähnliche Massnahme wie die Kurzarbeit, zu der in der jüngsten Rezession zahlreiche Firmen gegriffen hatten.

Es sei eine Illusion, dass die Schweiz den Euro stützen und den Franken schwächer machen könne, sagte Brunner. Zudem müsse die Schweiz ausbaden, was Europa mit der Schuldenkrise eingebrockt habe: Die Schweiz treffe keine Schuld am starken Franken.

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(cms/sda)