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Finma warnt Banken vor zu starkem Zinsanstieg

Die neue Finma-Präsidentin Anne Heritier Lachat bei ihrem ersten Auftritt (Bild: Keystone).

Sie sollen die Risiken nicht aus den Augen verlieren: Die Finma ermahnt die Banken, Lehren aus der Finanzkrise zu ziehen. Sowohl die andauernden tiefen Zinsen wie auch ein abrupter Zinsanstieg würden

Veröffentlicht am 22.03.2011

Die Finanzkrise ist nach Ansicht der Finanzmarktaufsicht (Finma) nur vordergründig ausgestanden. Die Finma ortet in der expansiven Geldpolitik der Zentralbanken erhebliche Gefahren für die Schweizer Finanzinstitute. Angesichts der weiter vorhandenden Risiken sieht die Aufsicht bei den Banken Bedarf für eine höhere Kapitalausstattung. Den Grossbanken rät sie deshalb, rascher mit dem Aufbau von Kapital zu beginnen, als dies die geplanten neuen Schweizer Vorschriften vorsehen.

Derzeit würden sich die Märkte nur vordergründig in ruhigen Bahnen bewegen. Unter der Oberfläche brodle es aber heftig und zuweilen gar bedrohlich, sagte Mark Branson, Leiter des Geschäftsbereichs Banken an der Jahresmedienkonferenz der Finma. Als Folge davon, dass sich die Regierungen schützend vor ihre Bankensysteme gestellt hätten, schwimme der Markt derzeit in billigem Geld.

Billiges Geld erhöhe aber zwangsläufig die Risikobereitschaft der Akteure, ergänzte Patrick Raaflaub, Direktor der Finma. Sollten aber die Zinsen abrupt steigen, könnte diese Risikobereitschaft die Branche vor erhebliche Problem stellen und die Stabilität des Finanzsystems beeinträchtigen.

Risiko auch bei Lebensversicherungen

Das tiefe Zinsumfeld hat gemäss Raaflaub dazu geführt, dass die Hypothekarforderungen in der Schweiz 2010 um rund 6,5 Prozent zugenommen haben. Im Hypothekarmarkt tobe aber ein intensiver Wettbewerb, was eine deutliche Schmälerung des Gewinns aus dem Zinsengeschäft zur Folge habe. Da die Banken fast ausnahmslos gegenüber steigenden Marktzinsen exponiert seien, führe eine starke Zunahmen der Zinsen zu deutlichen Ertragseinbussen, so Raaflaub weiter. Insgesamt sei bei einem Zinsanstieg um 1 Prozent mit einer Schmälerung des Eigenkapitals der im Hypothekargeschäft tätigen Institute um durchschnittlich über 6 Prrozent zu rechnen.

Ein bedeutendes Zinsänderungsrisiko bestehe aber nicht nur im Hypothekargeschäft, sondern etwa auch bei Lebensversicherungen. Umso wichtiger sei es, dass die Verwaltungsräte dem Zinsrisiko eine stärkere Aufmerksamkeit entgegenbrächten.

Vor-Ort-Besuche aber kein Stresstest

Die Finma analysiere die Annahmen für die Berechnung der Zinsrisiken aufmerksam und ordne punktuell Korrekturen an, sagte Raaflaub. Ergänzend seien im laufenden Jahr mehrere Vor-Ort-Besuche bei Banken geplant. Anders als die europäischen Aufsichtsbehörden plant die Finma aber keinen speziellen Stresstest für Banken, denn deren Risikoanfälligkeit werde halbjährlich routinemässig überprüft.

Weiter würde die Finma eine baldige Rückkehr zu einem durchschnittlichen Zinsniveau begrüssen, weil es dem Finanzsektor eine deutliche Entspannung brächte. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat allerdings vergangene Woche ihren Leitzins erneut auf Rekordtief belassen. Und an die Politik richtet die Finma erneut den Appell, die Massnahmen gegen das Problem zu grosser Banken mit einer impliziten Staatsgarantie (too-big-to-fail) rasch umzusetzen.

Erster Auftritt der neuen Finma-Präsidentin

Die seit Anfang Jahr tätige neue Finma-Präsidentin Anne Héritier Lachat erinnerte bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt in dieser Funktion daran, dass die im Parlament hängige Vorlage von der Expertenkommission des Bundes, der auch Vertreter der Grossbanken angehörten, einstimmig beschlossen worden sei.

Man sei nie gegen einen Zwischenfall oder eine Krise gefeit, und die gegenwärtige Krise sei noch nicht ausgestanden, warnte Héritier Lachat, die als langjährige Professorin für Banken- und Finanzrecht sowie SP-Mitglied den früheren UBS-Manager Eugen Haltiner an der Finma-Spitze abgelöst hatte.

(rcv/tno/awp/sda)

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