Die Schweizerische Nationalbank (SNB) verteidigt die Untergrenze von 1.20 Franken pro Euro. So sind die Devisenreserven der SNB zuletzt stark gestiegen: Sie lagen per Ende Mai bei 303,8 Milliarden Franken. Der Zuwachs gegenüber April betrug damit gut 66 Milliarden Franken.
 
Nun kursiert der Vorschlag, mit diesem Geld einen Staatsfonds zu gründen, der weltweit in Anlagen, Aktien, Obligationen und Immobilien investiert. Dabei ist die Idee nicht neu: UBS-Ökonom Caesar Lack hatte die Gründung eines solchen Staatsfonds bereits im Juli 2011 vorgeschlagen.

«Mit 90 Prozent ihrer Devisenreserven in Anleihen hat die Nationalbank ein Klumpenrisiko in der Bilanz», sagte Lack der «Handelszeitung» im September. «Mit Realwerten wie Aktien, Immobilien oder Rohstoffen erhält sie einen Schutz vor Inflation aus der Euro Zone.»

Im Anschluss an Lacks Idee forderte Stadler-Rail-Chef und SVP-Nationalrat Peter Spuhler damals im Interview mit der «Handelszeitung» von der SNB, mit ihren Devisenüberschüssen «weltweit Land, Unternehmen und Infrastruktur» zu kaufen. «Wenn die Nationalbank jetzt einen Mindestkurs von 1.20 zum Euro fixiert und dazu möglicherweise Hunderte von Milliarden Franken einsetzen muss, dann sollte sie dafür wenigstens reale Werte kaufen statt europäischer Staatsanleihen und Devisen mit grossem Abschreibungspotenzial», sagte Spuhler.

«Klingt gut, ist aber sehr trickreich»
 
Auch die FDP empfahl der Nationalbank bereits damals, strategische Firmenbeteiligungen im Ausland zu erwerben. Geldtheoretiker Peter Bernholz und sein Kollege Peter Kugler, Volkswirtschaftsprofessor an der Universität Basel, empfahlen an einer Veranstaltung von Avenir Suisse im August eben- falls Investitionen in Realwerte. Die Realwerte brächten Aufwertungsgewinne, wenn Euro und Dollar wieder stärker werden. Im Depot lägen Aktien von blühenden Unternehmen statt Anleihen von Pleitestaaten, so die Hoffnung.
 
Doch die SNB bewegte sich nicht in diese Richtung. Zurecht, wie angesehene Geldpolitiker schon damals meinten. «Das klingt zwar gut», sagte Niklaus Blattner, ehemaliger Vizepräsident der SNB, «aber es ist sehr trickreich.» Grundsätzlich muss die SNB «möglichst liquide Anlagen kaufen, damit sie diese bei Bedarf auch rasch wieder veräussern kann», warnte der Geldtheoretiker Ernst Baltensperger.

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Die SNB muss die zusätzliche Frankenliquidität, welche sie als Ergebnis ihrer Interventionspolitik möglicherweise schaffen muss, rechtzeitig wieder abschöpfen können, wenn sich der Wechselkurs normalisiert. Das war nach der letzten vergleichbaren Aktion der SNB nicht gelungen. 1978hatte sie eine Untergrenze von «deutlich über 80 Rappen» zur D-Mark definiert und diese mit Devisenkäufen verteidigt. Anfang der 1980er-Jahre kletterte die Inflation auf über 7 Prozent.

Wenn die Diagnose der Nationalbank, dass es sich bei der gegenwärtigen Frankenstärke um eine vorübergehende Überreaktion der Märkte handelt, zutrifft, kann sie ruhig schlafen. Wenn der Markt sich normalisiert, der Euro sich also gegen den Franken wieder aufwertet, dreht der Verlust auf den Anleihen in einen Gewinn.

BMW als «Bernische Motoren Werke»

«Die Staatsanleihen in der SNB-Bilanz werden nur dann zum Klumpenrisiko, wenn die Diagnose der Nationalbank falsch ist», sagte Blattner, «wenn es sich also nicht um eine vorübergehende Überbewertung des Frankens handelt, sondern um eine massive strukturelle Krise der Euro-Zone.» In einem solchen Fall sei es jedoch fraglich, ob es im Euro-Land überhaupt noch verlässliche Gegenparteien gebe.

Peter Kugler sah das genauso: «Wenn die Ausfallwahrscheinlichkeit bei Euro-Staatsanleihen sehr hoch ist, dann sieht es auch an den europäischen Aktienmärkten nicht mehr schön aus. Und wenn die Euro-Zone auseinanderbricht, stehen wir alle schlecht da.»
 
Der Vorschlag, strategische Firmenbeteiligungen aufzubauen, könnte ausserdem neue Probleme schaffen. Die Nationalbank bewirtschaftet die Aktienportfolios passiv und bildet breite Marktindizes nach, um Interessenkonflikte zu vermeiden.

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Kugler fürchtete, die kleine Schweiz käme unter politischen Druck, wenn sie strategisch Realwerte im Ausland aufkaufen würde. «Das kann eine Grossmacht wie China mit dem entsprechenden Drohpotenzial tun, aber man stelle sich vor, BMW hiesse plötzlich «Bernische Motoren Werke».