Sieben Siege in der Vorrunde, darunter Erfolge gegen die einstigen Welt- und Olympiasieger Kanada und Schweden - und nun der Triumph in den Viertelfinals gegen die Favoriten aus Tschechien: Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft steht an der Weltmeisterschaft in Schweden und Finnland in den Halbfinals.

Damit löste das Team um Erfolgscoach Sean Simpson eine Welle der Euphorie aus, welche mittlerweile auch die Sponsoren spüren. «Als Partner von Swiss Ice Hockey freuen wir uns natürlich sehr über die grossartigen Erfolge der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft», sagt eine Sprecherin von Rivella. Ähnlich klingt es aus der Firmenzentrale von Ochsner Hockey. «Das ist super für das Schweizer Hockey».

Postfinance erntet Früchte aus Investitionen

Das hindert die namhaften Partner des Schweizer Eishockeys nicht daran, sich ob des nachhaltigen finanziellen Nutzens der eingegangenen Sponsoring- und Marketingverträge bedeckt zu halten. Arosa Tourismus lässt gegenüber handelszeitung.ch lediglich ausrichten, dass sich dieser «positive Imagetransfer» vor allem «in diversen Gesprächen mit Gästen und Einheimischen» bemerkbar mache.

Ausserdem begründet die Tourismusregion ihr Engagement damit, dass «dank einer idealen Infrastruktur» Arosa «ideale Voraussetzungen für Höhentrainingslager» biete. «Ebenso sind unsere Gäste begeisterte Hockeyfans und erfreuen sich immer an den Freundschaftsspielen der Schweizer Nationalmannschaft». Zudem profitiere das Dorf von der «grösseren Visibilität in den Medien und dem steigenden Eishockey-Interesse der Gesellschaft». Herren-Globus sieht ebenfalls die «stärkere Medienpräsenz» der eigenen Marke als grössten Nutzen.

TV-Spots zur besten Sendezeit

Diese Einschätzung gilt auch für Postfinance. «Die Erfolge der Nationalmannschaft lösen in der Schweiz ein grosses Echo aus. Das Interesse an der WM und am Eishockey allgemein ist derzeit riesig. Davon profitiert auch Postfinance als Hauptsponsor».

Anzeige

In der Tat markiert das Finanzinstitut Präsenz. So ist Postfinance vor-, während und nach den Partien der Eisgenossen mit TV-Werbespots im Schweizer Fernsehen zur besten Sendezeit prominent vertreten. Zudem investiert der Konzern seit Jahren einen substanziellen Betrag in die Nachwuchsförderung. «Wir haben in den letzten Jahren viel Geld und Herzblut in die Junioren des Schweizer Eishockeys investiert. Die Erfolge der Nationalmannschaft sind ein weiteres Zeichen dafür, dass diese langjährige Nachwuchsförderung Früchte trägt».

Die Gefahr der Raschen Vergessens

Die Aussage von Postfinance überrascht Hans-Willy Brockes nicht - im Gegenteil: «Ein Unternehmen wie die Postfinance, das konsequent auf Eishockey setzt, ist von September bis Mai fast kontinuierlich in den Medien». In diesem Zusammenhang sei das Konzept des «Top-Skorers» der Nationalliga, welcher vom Finanzdienstleister gesponsert wird, geradezu eine «geniale Idee».

Wie lange die Sponsoren vom Erfolg der Männer auf dem Eis profitieren können, lasse sich laut Brockes indes schwer voraussagen. «Mit dem Beginn der neuen Saison werden die Nationalliga A und insbesondere die Sponsoren sicherlich profitieren», sagt der Sponsoring-Experte der Marketingfirma ESB Consult. Nichtsdestotrotz sei die Sensation mit «angezogener Handbremse» zu geniessen. «Wenn die Schweiz um Platz drei spielt, dann kann es sein, dass es medial nur einige Tage Präsenz gibt. Sollte die Schweiz ins Finale kommen, dann ist aus meiner Sicht alles möglich», sagt Brockes.

Arosa stellt im Falle einer Medaille ein Team-Geschenk in Aussicht

Brockes ist sich jedoch sicher, dass die Partner über das Wochenende Überstunden schieben würden, um in nicht ganz günstigen Werbeanzeigen im Fernsehen und in Sonntagszeitungen dem Nationalteam zu seinen Erfolgen zu gratulieren. Arosa Tourismus verspricht überdies, das Team im Falle eines Medaillengewinns mit einem «Arosa-Geschenk» zu belohnen.