Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) stellt seinen Verteilungsbericht zum Thema Lohnschere vor. Gemäss dem Bericht profitieren in der Schweiz hauptsächlich die Spitzenverdiener vom wachsenden Reichtum der Schweiz.

Profiteure bei der Lohnentwicklung von 1998 bis 2008 sollen die hohen und höchsten Einkommen sein, sowohl bei den Löhnen als auch bei den Vermögenseinkommen. Zieht man die Teuerung ab blieben den oberen 10 Prozent der Arbeitnehmer 10,3 Prozent mehr und das oberste halbe Prozent hatte sogar 28 Prozent Zuwachs.

Nebst den Löhnen wurden vom SGB auch bei den Lohnbelastungen grosse Unterschiede festgestellt. Die Steuer- und Abgabenpolitik senkte diesen Budgetposten für eine Familie mit hohem Einkommen um 5900 Franken im Jahr.

Kritik am Bonus-System

Eine Familie mit tiefem Einkommen wurde dagegen laut der Studie in der gleichen Periode kaum entlastet. Alleine die gestiegenen Krankenkassenprämien würden tiefe Einkommen mit 3100 und mittlere mit 3000 Franken zusätzlich pro Jahr belasten. Relativ gesehen fiel diese Belastung bei den Familien mit hohem Einkommen geringer aus.

Unter dem Strich blieben einer vierköpfigen Familie mit hohem Einkommen 2008 real 14'800 Franken mehr als 1998. Die Vergleichsfamilie mit tiefem Einkommen hatte nur 300 Franken mehr.

Als Hauptursache für die aufklaffende Lohnschere, macht der SGB das Bonus-System und die individualisierte Lohnpolitik verantwortlich. Bei einem Anstieg des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 9,1 Prozent wuchs die Zahl der Gehaltsmillionäre seit 1997 von 510 auf 2824 Personen, wobei die mittleren und tieferen Löhne nur um zwei bis vier Prozent stiegen.

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Die Gewerkschaften verlangen darum eine Umkehr in der Lohn- und Steuerpolitik. SGB-Präsident und Nationalrat Paul Rechsteiner (SP/SG) forderte generelle Reallohnerhöhungen und warb für die Mindestlohninitiative mit ihrem gesetzlichen Sockellohn von 22 Franken in der Stunde.

(kgh/laf/sda)