In einer repräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstituts Link haben sich 85 Prozent der rund 1000 Befragten für gesetzliche Mindestlöhne ausgesprochen, wie der Präsident des  Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB), Paul Rechsteiner, sagte.

Als fairen Mindestlohn für eine Vollzeitstelle gaben die Befragten im Mittel 4487 Franken an. Das sind rund 500 Franken mehr als die SGB-Volksinitiative «Für den Schutz fairer Löhne» verlangt. Zudem sind 70 Prozent der Befragten überzeugt, dass in der Schweiz «viele oder sehr viele Menschen» nicht von ihrer Vollzeit-Arbeit leben können.

Laut Rechsteiner bestätigten die Zahlen die Berechnungen der SGB-Ökonomen. Demnach arbeiten zehn Prozent aller Beschäftigten in einem Tieflohnverhältnis - 400'000 Personen verdienen in der Schweiz zurzeit weniger als 22 Franken pro Stunde.

Mehr Arbeitlose durch Mindestlohn?

Die Tieflohnbezüger finden sich in allen drei Wirtschaftssektoren. Auffällig viele schlecht Verdienende gibt es in der Landwirtschaft, unter Angestellten in Privathaushalten, im Gastgewerbe oder in der Bekleidungsindustrie.

Dass viele dieser Angestellten im Falle eines gesetzlichen Mindestlohnes ihre Arbeit verlieren könnten, glaubt der SGB nicht. Ein neuer Expertenbericht will diese Bedenken entkräften: «Mindestlöhne führen weder zu einem Anstieg noch zu einem Rückgang der Arbeitslosigkeit», sagte SGB-Chefökonom Daniel Lampart. Zu diesem Schluss sei die SGB-Expertengruppe nach der Auswertung von rund 50 Studien gekommen.

Erklärungen gebe es viele, hielt Lampart fest: Beispielsweise könnten viele Beschäftigte dank eines Mindestlohnes ihren Zweitjob aufgeben und sich auf eine Stelle konzentrieren. Diese Plätze würden für andere Leute frei.

22 Franken pro Stunde gefordert

Gelte ein gesetzlicher Mindestlohn, würden Firmen zudem ausgelagerte Tätigkeiten wie Reinigen oder Gastronomie wieder in das eigene Geschäft integrieren, erklärte der SGB-Ökonom. Stelle heute eine Bank eine Putzfrau an, müsse sie für diese rund 27 Franken pro Stunde ausgeben.

Ausgelagert koste dieselbe Dienstleistung nur rund 21 Franken pro Stunde, sagte Lampart. Gelte ein Mindestlohn, könnten die Reinigungskräfte nicht mehr zu Dumpinglöhnen angestellt werden.

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Der SGB will mit seiner Volksinitiative einen flächendeckenden Mindestlohn von 22 Franken pro Stunde im Gesetz verankern. Bei 40 Wochenstunden wären das monatlich 3800 Franken, bei 42 Stunden 4000 Franken.

(tno/cms/sda)