1. Home
  2. Konjunktur
  3. Global sinkt Devisenbestand – SNB gegen den Trend?

Währung
Global sinkt Devisenbestand – SNB gegen den Trend?

Starker Dollar, schwacher Euro: Starke Kräfte walten im Devisenhandel.   Keystone

Im März ist der Devisenbestand der Zentralbanken weltweit zurückgegangen. Bei der SNB dagegen kam noch Fremdwährung für 13 Milliarden Franken dazu. Es zeigt sich die Wirkung der Dollar-Stärke.

Karen Merkel
Von Karen Merkel
am 08.04.2015

Der Devisenbestand der Schweizerischen Nationalbank wächst wieder schneller. Zwar hat das Volumen im März nur um 13 Milliarden Franken zugelegt und nicht wie im Dezember noch um 30 Milliarden Franken. Doch hat sich die Zunahme seit Jahresbeginn beschleunigt.

Anders als im Dezember hat die SNB im März offenbar nicht interveniert, um die Frankenstärke aufzufangen. Der Devisenbestand – in der Zeit des Mindestkurses explodiert – ist knapp drei Monate nach der Aufgabe der Euro-Bindung auf ein neues Hoch von über 522 Milliarden Franken gestiegen. Der Wert der Reserven wurde auch gesteigert, weil der Dollar zum Franken stärker wird.

Rekordstand bei den Devisen vorüber

Lange entsprach die Devisenzunahme der globalen Entwicklung. Doch nun wechseln international die Vorzeichen: Die Vorräte der Zentralbanken an Fremdwährungen lagen laut IWF im März noch bei über 11.6 Billionen US-Dollar, nach einem Rekordstand von 12.03 Billionen im August 2014. Dabei gehen vor allem die Euro-Vorräte weltweit zurück: Nach einer Erhebung von Bloomberg waren nur noch 22 Prozent der Zentralbank-Devisen in Euro, das ist der tiefste Stand seit 2002. Der erstarkende Dollar dagegen macht 68 Prozent aus, so viel wie zuletzt vor fünf Jahren.

Um eine internationale Trendwende auszurufen, sei es aber zu früh, meint Devisenstratege Thomas Flury von der UBS. Vielmehr seien zwei Dinge wichtig: «Zum einen zeigt sich eine Konzentration auf den starken Dollar, zum anderen spielen mehr Währungen eine grössere Rolle – wie der australische oder der kanadische Dollar.» Der Schweizer Franken sei hier – global betrachtet – nur eine Restmenge.

Flucht in den Franken

Das Thema einer Flucht in die hiesige Währung bleibe indes trotzdem akut. «Wenn Anleger einen sicheren Hafen suchen, etwa vor dem Hintergrund der Griechenland-Krise, steht auch der Franken immer wieder im Fokus», sagt Flury.

Da nützen auch die Negativzinsen nicht: «Langfristig wirken sie schon, aber sie wirken nicht stark genug in Momenten von internationaler Spannung», so Flury. Negativzinsen seien ein Schönwetterinstrument, dass bei schlechtem Wetter zum Einsatz gekommen sei. Der Abbau der Devisenbestände durch die SNB rückt darum vorerst in weite Ferne.

 

Anzeige

Das sind die Reaktionen auf den Franken-Schock

1|76
Reaktionen auf den Franken-Schock: Ruag führt ab Oktober für 72 ihrer Mitarbeiter in Nyon Kurzarbeit ein. Im April und Juli hat der Rüstungs-und Technologiekonzern bei exportorientierten Bereichen die Arbeitszeit um drei Stunden auf 43 Stunden pro Woche erhöht. Grund war die Frankenstärke.