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«Grosse europapolitische Herausforderung»

Hans Hess: «Wir werden leichte Zunahme der Beschäftigung sehen.»   Keystone

Swissmem-Präsident Hans Hess krisitiert die vom Bundesrat vorgestellte Umsetzung der Initiative gegen Masseneinwanderung. Der Spielraum werde zu wenig genutzt – Firmen könnten ins Ausland abziehen.

Veröffentlicht am 22.06.2014

Die Schweizer Maschinenindustrie profitiert derzeit von konjunkturellen Rückenwind, so der Präsident des Industrieverbands Swissmem, Hans Hess: «Seit letztem Sommer spüren wir eine gewisse Erholung, die Aufträge und Umsätze nehmen wieder zu. Das hat sich auch im ersten Quartal fortgesetzt», sagte er in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» (NZZaS).

Der Auftragseingang im ersten Quartal sei 10 Prozent höher ausgefallen, für 2014 und 2015 sei bei den Unternehmern ein gewisser Optimismus spürbar. «Ich glaube, wir werden dieses Jahr sogar eine leichte Zunahme der Beschäftigung von etwa 1 bis 2 Prozent sehen, was etwa 3000 bis 6000 Stellen entsprechen würde», sagte der Swissmem-Präsident.

Schweizer Franken noch immer überbewertet

Den Schweizer Franken erachtet Hess als gegenüber den Hauptwährungen noch um 6 bis 7 Prozent überbewertet. Damit seien die in der Schweiz hergestellten Produkte schon aus Währungsgründen ein Stück teurer als die ausländische Konkurrenz. «Die Unternehmen haben seit 2011 aber viel unternommen, um effizienter und innovativer zu werden.»

Mit der Beschränkung der Zuwanderung werde sich der Fachkräftemangel weiter akzentuieren. Hess forderte eine bessere Nutzung des einheimischen Arbeitskräftepotenzials vor. «Die Jungen und die Frauen noch besser in den Arbeitsmarkt integrieren sowie die älteren Mitarbeiter länger im Arbeitsprozess halten.»

Die Industrie beanspruche allerdings nur etwa 5 Prozent der Zuwanderer. Fänden aber Unternehmen ihre Fachkräfte in der Schweiz nicht mehr und könnte keine mehr aus dem Ausland holen können, so würden sie ins Ausland ziehen, warnte Hess. «Mich besorgt deshalb die vom Bundesrat vorgestellte Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative. Dieser verfassungsnahe Ansatz nutzt den bestehenden Spielraum zu wenig und stellt die Schweiz damit vor eine grosse europapolitische Herausforderung.»

(awp/vst)

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