Der Hauseigentümerverband (HEV) fürchtet, dass unter dem erhöhten Kapitalpuffer alle Haushalte sowie Gebiete ohne überhitzten Immobilienmarkt zu leiden haben. Auch der Mieterverband kritisiert die neuen Eigenmittelvorschriften für Banken. Die Baumeister hingegen begrüssen den bundesrätlichen Entscheid.

«Mit dem Puffer verteuern sich die Hypotheken und damit die Wohnkosten für alle, letztlich auch die Mieter», sagte HEV-Direktor Ansgar Gmür auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Der Bundesrat hatte auf Antrag der Nationalbank die Aktivierung des antizyklischen Kapitalpuffers beschlossen. Banken müssen nun ab Ende September 2013 zusätzliche Eigenmittel für Wohnbauhypotheken halten. Mit dieser Massnahme will er einer Überhitzung des Immobilienmarkts vorbeugen.

«Er ist leider nötig»

Dass die Massnahme flächendeckend eingeführt werde, obwohl der Immobilienmarkt nur an wenigen Hotspots überhitzt sei, hat laut Gmür «negative Auswirkungen auf Gebiete, die keine Auswüchse kennen». Der HEV hätte es begrüsst, wenn vor der Einführung eines Puffers der Spielraum der Finanzmarktaufsicht Finma ausgeschöpft worden wäre.

Anzeige

Der Verband hält es grundsätzlich «per se nicht für falsch», mit geeigneten Massnahmen auf sogenannte Schwellenhaushalte zu zielen, die ihr Eigenheim knapp finanziert haben. Die Vorschriften träfen wegen ihrer Breitenwirkung jedoch auch besser gestellte Haushalte. «Nun kommen alle ins Schleudern», sagte Gmür. Als positiv bezeichnet er die Tatsache, dass sich der Bundesrat für einen Puffer von 1 Prozent anrechenbaren Eigenmitteln entschieden hat und nicht für 2,5 Prozent.

Der Schweizerische Mieterinnen- und Mieterverband hat den Entscheid des Bundesrats erwartet. «Er ist leider nötig», sagte Geschäftsführer Peter Macher zur sda. «Uns stört es allerdings sehr, dass sich die Massnahme auf die Zinsen durchschlagen wird.»

Psychologische Wirkung

Laut Macher hätte mit früher ergriffenen Schritten das gleiche Resultat erzielt werden können - etwa mit einer höheren Belehnungsgrenze und mit einer Amortisationspflicht. Nun werde sich bald zeigen, sagt Macher, dass sich einige mit den Hypotheken übernommen hätten.

Weniger skeptisch ist der Baumeisterverband. Er begrüsse den bundesrätlichen Schritt, sagte Verbands-Vizedirektor Martin A. Senn auf Anfrage. «Die moderate Massnahme von einem Prozent finde ich im derzeit tatsächlich etwas überhitzten Immobilienmarkt sinnvoll.» Ob sie streng ökonomisch gesehen auch eine Wirkung entfaltet, ist laut Senn unklar. «Solche Massnahmen wirken nicht zuletzt auch psychologisch.»

(rcv/tno/sda)