Die gebeutelte Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie schöpft vorsichtig Zuversicht. Im Schlussquartal 2012 verzeichnete die stark exportabhängige Branche 9,8 Prozent mehr Bestellungen und 6,5 Prozent höhere Umsätze.

Zudem konnten die Exportpreise trotz anhaltender Franken-Überbewertung um 0,9 Prozent erhöht werden. Es zeigten sich erste Erholungstendenzen, sagte der Direktor des Branchenverbandes Swissmem, Peter Dietrich vor den Medien in Zürich. Die Zahlen nährten die Hoffnung, dass die Talsohle durchschritten sei. 

Im Hauptabsatzmarkt EU habe sich die Lage stabilisiert. Es bestünden aber weiterhin Risiken, nicht zuletzt in Italien, mahnte Dietrich. Zudem sank die Kapazitätsauslastung der MEM-Unternehmen weiter auf 83,6 Prozent. Anfang 2011 waren es über 90 Prozent gewesen.

147 Kündigungen bei Tornos

Überdies verlief die Umsatzentwicklung bei den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bedeutend schleppender. Branchenweit stiegen die Umsätze im Gesamtjahr um 3 Prozent. Der Bestellungseingang fiel dagegen um 3,8 Prozent. Die meisten Unternehmen traten auf die Kostenbremse. Es kam zu 30 Massenentlassungen. So hat etwa der bern-jurassische Drehmaschinen-Hersteller Tornos 147 Kündigungen ausgesprochen.

Das branchenweite Schreckensszenario ist aber nicht eingetreten: Swissmem hatte nach dem Fall des Euros beinahe auf Gleichstand zum Franken befürchtet, dass bis zu 10'000 Stellen gestrichen werden könnten. Stattdessen sind laut Swissmem-Präsident Hans Hess rund 2000 Arbeitsplätze abgebaut worden.

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Die Beschäftigungsstatistik des Bundes weist zwar innert Jahresfrist für die MEM-Industrie einen leichten Anstieg um 0,1 Prozent auf 338'000 Angestellte aus. Darin eingerechnet sind aber die Mitarbeitenden der florierenden Uhrenindustrie. 

«Mit einem blauen Auge davongekommen»

Hess verweist darauf, dass der Stellenbestand verzögert auf Absatzeinbrüche angepasst werde und noch einige Auslagerungen ins Ausland anstünden. «Wir erwarten aber keinen dramatischen Rückgang mehr», sagte der Swissmem-Präsident. Die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie sei «mit einem blauen Auge davongekommen».

Eine wesentliche Rolle spielte dabei der von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) garantierte Euro-Mindestkurs von 1.20 Franken. Dies sei für die Unternehmen eine verlässliche Basis. Sie hätten in den rund eineinhalb Jahren seit der Festsetzung der Untergrenze ihre Strukturen, Marktleistungen und Prozesse anpassen können, sagte Swissmem-Direktor Dietrich.

Einem Teil der Unternehmen sei es gelungen, ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen. Zudem profitierte die Branche von einer Belebung der Nachfrage aus den USA. Sie partizipiere aber noch zu wenig an den Chancen in Amerika und Asien.

Lokale Kooperationen empfohlen

Die MEM-Industrie erzielt zwar 80 Prozent des Absatzes im Ausland, davon aber 60 Prozent in der EU. Hess geht davon aus, dass dieser Hauptabsatzmarkt «wohl zehn Jahre lang nicht wächst». Der Anpassungsdruck sei weiterhin gross. 

In einer Studie rät die Beratungsgesellschaft McKinsey unter anderem, Wachstumsmärkte durch lokale Kooperationen besser zu erschliessen. Zentral sei die Innovation, welche bei den KMU im internationalen Vergleich nur noch mittelmässig sei. Swissmem will dem mit einer Stärkung der Berufslehre entgegenwirken.

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(muv/tno/sda)