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Intakte Konjunkturprognosen trotz rekordstarkem Franken

Franken und Euro: Nicht mehr weit von der Parität entfernt. (Bild: Keystone)

So billig war der Euro noch nie: Die Gemeinschaftswährung ist auf ein neues Rekordtief zum Schweizer Franken gefallen. Auch der Dollar gab weiter nach. Trotzdem halten die Schweizer Auguren an ihren p

Veröffentlicht am 02.08.2011

Zeitweise tauchte der Euro unter 1,10 Franken. Der Tiefpunkt wurde am späten Nachmittag bei 1,0962 Franken erreicht. Danach zog der Euro wieder leicht an und kostete kurz nach 17 Uhr 1,0974 Franken. Am Vortag kostete der Euro im späten Handel noch 1,1170 Franken.

Auch der Dollar hielt sich mit 0,7720 Franken nur knapp über seinen bisherigen Tiefstständen von 0,7710 Franken. Am Vortag war der Greenback noch 0,7836 Franken wert gewesen.

«Der Markt fürchtet, dass die Welt in die Rezession zurückfällt und die Staaten der europäischen Peripherie würden darunter am stärksten leiden», sagte ING-Stratege Alessandro Giansanti der Nachrichtenagentur Reuters. Geschürt werden die aktuellen Ängste von einer Reihe schwacher US-Wachstumsdaten.

Die Einigung auf die Anhebung der US-Schuldengrenze wurde zwar mit Erleichterung an den Finanzmärkten aufgenommen, gleichzeitig bestehe aber das Risiko, dass durch die geplanten Einsparungen im Haushalt die dortige Konjunktur weiter abgebremst wird. «Während sich die Wolken der politischen Unsicherheit verziehen, braut sich ein wirtschaftlicher Sturm zusammen», schrieb Volkswirtin Jelena Schuljatjewa von der BNP Paribas in einem Kommentar.

Festhalten an Konjunkturprognosen

Dennoch halten Ökonomen grosser Schweizer Banken an ihren Konjunkturprognosen grösstenteils fest, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur sda ergab. «Unsere Konjunkturprognose ist so gut wie noch nie. Die passt wunderbar» sagte Credit-Suisse-Chefökonom Martin Neff.

Die CS gehört zu den pessimistischsten Konjunkturauguren mit einem prognostizierten Wachstum des Schweizer Bruttoinlandproduktes (BIP) von 1,9 Prozent für dieses Jahr und 2,2 Prozent für nächstes Jahr. «Ich habe nie an eine starke zweite Jahreshälfte geglaubt», sagte Neff.

Der heutige Franken-Kurs sei bitter. «Eigentlich waren für mich 1,10 Franken das unterste Ende der Fahnenstange. Damit sind wir 25 Prozent von der Kaufkraftparität bei 1,32 Franken entfernt. Ich kann mich nicht erinnern, dass es jemals so eine massive Überbewertung gegeben hat», sagte Neff. In diesem tiefen Kurs sei wahnsinnig viel eingepreist wie eine sehr schwache Währungsunion ohne grosse Stabilität und eine halbe Rezession in den USA.

Temporäre Wachstumsdelle

Auch die Zürcher Kantonalbank (ZKB) hält an ihren Wachstumserwartungen von 2,5 Prozent für dieses Jahr und 2,0 Prozent für nächstes Jahr fest. Zwar werde sich der Aussenhandel aufgrund der Franken-Stärke abschwächen, sagte ZKB-Ökonomin Cornelia Luchsinger. Die Abschwächung der Weltwirtschaft dürfte aber nur eine temporäre Wachstumsdelle sein.

Erst wenn sich die Weltwirtschaft doch noch schlechter entwickeln würde oder die USA gar in Rezession abschlitterten, dann würde die ZKB die Prognosen nach unten revidieren. Aber derzeit sei die Schweizer Binnenkonjunktur nach wie vor stark. Wichtig sei, dass die Nachfrage aus dem Ausland stabil bleibe. Viele exportierende Firmen seien gut aufgestellt und hätten die Kosten dort, wo die Erträge herkämen.

Ins selbe Horn stiess auch UBS-Ökonom Daniel Kalt: Die Schweizer Wirtschaft sei in hervorragender Verfassung. Die Franken-Stärke widerspiegle die Solidität und das Vertrauen, die man in die Schweiz habe. Die Prognose für ein Wachstum von 2,7 Prozent im Gesamtjahr 2011 sei dank des guten Starts noch erreichbar, sagte Kalt. Stärker wackle die Prognose von 2,2 Prozent für das nächste Jahr.

(cms/sda)

 

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