Die scharfe Aufwertung des Frankens drückt auf das Schweizer Wachstum. In diesem Jahr dürfte die Wirtschaftsleistung um lediglich 0.8 Prozent zulegen, erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem heute veröffentlichten halbjährlichen Ausblick. Nur Italiens Wirtschaft dürfte im Vergleich der entwickelten europäischen Ökonomien mit 0.5 Prozent noch schwächer wachsen, wie die neue Prognose zeigt.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Während der Fonds für die Wirtschaft der Euro-Zone, die in diesem Jahr demnach um 1.5 Prozent zulegen wird, eine Wachstumsbeschleunigung ausmacht, dürfte die eidgenössische Konjunktur kurzfristig unter der starken Frankenaufwertung leiden. Selbst 2016 wird mit einem Plus von 1.2 Prozent deutlich weniger Zuwachs erwartet als im Schnitt der vergangenen Jahre.

Kurzfristige Risiken weniger ausgeprägt

Das hinterlässt auch Spuren am Arbeitsmarkt: In den kommenden beiden Jahren dürfte die Arbeitslosigkeit leicht auf 3.6 Prozent ansteigen, von 3.2 Prozent im Jahr 2014. Damit ist die Arbeitslosenquote hierzulande jedoch noch immer niedriger als in jedem anderen europäischen Land.

Die Weltwirtschaft insgesamt dürfte in diesem Jahr um 3.5 Prozent zulegen. Gegenüber der letzten Einschätzung im Oktober seien die kurzfristigen globalen Risiken heute weniger ausgeprägt, heisst es in dem Bericht der Washingtoner Institution. «Der Rückgang der Ölpreise könnte die Aktivität stärker als erwartet steigern.» Noch immer stellten die geopolitischen Spannungen jedoch eine Gefahr dar, ebenso eine mögliche plötzliche Korrektur an den Wertpapiermärkten.

IWF: Schweiz soll Geldpolitik lockern

Daneben betont der Fonds einmal mehr das Risiko einer langfristig schwachen Preisentwicklung und daraus drohenden Deflationsdynamik. Für die Schweiz erwartet der IWF in diesem Jahr einen Rückgang der Konsumentenpreise um 1.2 Prozent. Für 2016 werden minus 0.4 Prozent prognostiziert. Die Inflationsvorhersagen für 2015 und 2016 sind dabei nicht nur die mit Abstand niedrigsten im europäischen Vergleich, sondern auch in Relation zu den grossen entwickelten Volkswirtschaften rund um den Globus.

Für die Schweiz sieht der Fonds daneben weiter Risiken für die Finanzstabilität, ausgehend vom Immobilien- und Hypothekenmarkt. Um der Gefahr einer Deflation entgegenzutreten, empfehlen die Washingtoner Analysten der Schweiz eine Lockerung der geldpolitischen Rahmenbedingungen. In der Analyse ist die Rede von Käufen ausländischer Wertpapiere. Dies empfahl der Fonds der Nationalbank bereits Ende März im Rahmen seiner jährlichen Länderanalyse. Dieser Vorstoss ist auch deshalb interessant, weil die Schweiz den letzten geldpolitischen Rat des IWF – negative Zinsen – im Dezember in die Realität umsetzte.