Die Aufgabe des Mindestkurses war einer dieser Momente, bei denen sich nach Jahren noch viele erinnern, wie sie davon erfuhren. Der Paukenschlag kam am 15. Januar 2015 um kurz nach 10:30 Uhr: die Schweizerische Notenbank teilte mit, den Franken nicht länger an den Euro zu koppeln.  Bis SNB-Präsident Thomas Jordan um 13.30 Uhr vor die Presse trat, war längst Panik ausgebrochen.

Nur ganz wenige Beobachter – wie etwa Brian Whitmer vom US-Prognosehaus Elliot Wave – hatten diesen Schritt kommen sehen. Zumindest zu diesem Zeitpunkt. Anleger, Bankenchefs und Exporteure – alle hatten sie den Worten vertraut, die SNB-Direktor Fritz Zurbrügg und Jordan noch drei Tage zuvor gesprochen hatten. Man wolle am Euro-Mindestkurs festhalten.

Chaos machte sich breit

Noch in einer im Dezember 2014 durchgeführten Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte hatten nur 3 von 129 befragten Finanzchefs auf Ende 2015 mit einem Euro-Wechselkurs von unter 1,20 Franken gerechnet.

Doch plötzlich war alles anders und Chaos regierte: Euro und Franken pendelten am 15. Januar wild umeinander: 1 Euro war zwischenzeitlich 78 Rappen wert, Minuten später wieder 1.05 Franken. Die Devisenkurse waren so volatil, dass mehrere Banken die Zahlung von Euro vorübergehend einstellten. Postfinance und die Valiant etwa legten die Ausgabe auf Eis.

Devisenhändler rutschten in die Pleite

An Bankautomaten und Schaltern sammelten sich die Leute, die angesichts des Frankenhochs Euro abheben wollten. Bereits einen Tag nach dem Kurssturz hatten bereits einige kleine Filialen und Bancomaten der ZKB keine Euro mehr.

Weltweit sorgte das Frankenbeben für Turbulenzen: Kurz nach der Entscheidung stellt der kleine neuseeländischer Devisenhändler «Global Brokers» sein Geschäft ein – offenbar hatte man sich verzockt.

Tsunami, Desaster, Blutbad

Auch die Börse spielte verrückt: Der SMI stürzte um 9 Prozent bis Handelsschluss ab. Damit hatte die Aufgabe des Mindestkurses innert eines Tages 101 Milliarden Euro  an Börsenwert vernichtet. Die Aktien grosser Schweizer Firmen büssten empfindlich an Wert ein – Credit Suisse 11 Prozent, Swatch über 16 Prozent. Einen «Tsunami» nannte Swatch-Chef Nick Hayek die Folgen des SNB-Entscheids in gewohnt markanter Manier. Andere sprachen vom «Desaster» oder «Blutbad» der SNB.

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Mit dem 15. Januar ging Geldpolitik plötzlich alle an. Ein Grossteil der Schweizer hätte Thomas Jordan nicht auf einem Bild erkannt, wie eine Handelszeitungsumfrage damals zeigte. Doch jedes KMU, das ins Ausland exportiert, musste plötzlich Währungsdifferenzen ausgleichen und jeder Detailhändler mit den nun noch viel günstigeren Preisen im Ausland konkurrieren.

Die Bilder von Schweizer Ladenstrassen, in den alle Geschäfte Währungsrabatte von 20 Prozent gewährten, wurden zu Symbolen der Zeit des Frankenschocks.