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Kampf gegen Immobilienblase für Bankenverband ein Schnellschuss

Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf erläutert Massnahmen gegen die Überhitzung im Immobilienmarkt. (Bild: Keystone)

Ab Ende September sind die Banken verpflichtet, für Wohnbauhypotheken zusätzliche Eigenmittel zu halten. Der Bundesrat kommt damit einem Antrag der Schweizerischen Nationalbank nach. Die Bankierverein

Veröffentlicht am 13.02.2013

Banken müssen ab Ende September 2013 zusätzliche Eigenmittel für Wohnbauhypotheken halten. Der Bundesrat hat auf Antrag der Nationalbank die Aktivierung des antizyklischen Kapitalpuffers beschlossen. Mit dieser Massnahme will er einer Überhitzung des Immobilienmarkts vorbeugen.

Das anhaltende Wachstum der Hypothekarverschuldung und der Immobilienpreise für Wohnliegenschaften habe zu Ungleichgewichten geführt, die für die Stabilität des Bankensektors und der Volkswirtschaft ein erhebliches Risiko darstellten, schreibt der Bundesrat in einer Mitteilung.

Ab dem 30. September 2013 seien die Banken verpflichtet, zusätzliche anrechenbare Eigenmittel in der Höhe von 1 Prozent ihrer grundpfandgesicherten risikogewichteten Positionen zu halten. Die Aktivierung ziele dabei nur auf Hypothekarkredite für Wohneigentum ab. Andere Kredite, insbesondere solche an Unternehmungen, seien von der Massnahme nicht betroffen.

«Bis zu 25 Prozent der Hypotheken betroffen»

«Die Nationalbank und der Bundesrat haben mit Besorgnis die Entwicklung auf dem Wohnliegenschaftsmarkt und dem Immobilienmarkt beobachtet», sagte Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf vor den Bundeshausmedien. Bereits umgesetzte Massnahmen, darunter das von Hypothekarschuldnern mindestens verlangte Eigenkapital, hätten nicht ausreichend Wirkung gezeigt.

Die Nationalbank habe deshalb beantragt, den antizyklischen Kapitalpuffer zu aktivieren. Das bedeutet, dass die Banken für immobiliengesicherte Hypothekten über die ohnehin geforderten Eigenmittel hinaus 1 Prozent zusätzliches Kapital zurücklegen müssen.

Viele Banken hätten bereits Reserven gebildet, sagte Widmer-Schlumpf. Nach ihren Angaben sind 15 bis 25 Prozent des ganzen Hypothekarvolumens von der Massnahme betroffen. Dieses belief sich Ende 2011 auf 797,8 Milliarden Franken. Der gesamte Puffer hat ein Volumen von rund 3 Milliarden Franken, wie Serge Gaillard, Direktor der Eidg. Finanzverwaltung, vor den Medien sagte.

Widmer-Schlumpf sprach von einer «massvollen» Massnahme. Gemäss Eigenmittelverordnung hätte der Bundesrat die Möglichkeit, bis zu 2,5 Prozent zusätzliche Eigenmittel zu verlangen. "Damit will man die Widerstandsfähigkeit des Bankensektors stärken, man will frühzeitig entgegenwirken, dass es zu einer Blase kommen kann", sagte die Finanzministerin.

Anzeichen für eine Immobilienblase hatte die Branche in den letzten Monaten in den Regionen Zürich, Genfersee und St. Moritz geortet. «Die SNB ist der Auffassung, dass sich das Problem auch an anderen Orten zeigt, nicht nur in diesen Regionen», sagte Widmer-Schumpf.

«Immobilienkrisen stellen eines der grossen Stabilitätsrisiken dar», ergänzte Gaillard. Niemand als die Nationalbank sei besser dafür geeignet, diese Risiken einzuschätzen. «Wir müssten schon gewichtige Gründe haben, um von den Empfehlungen der Nationalbank abzuweichen», sagte Gaillard.

Erhöhung kommt viel zu schnell

Es herrsche tatsächlich eine angespannte Lage am Schweizer Immobilienmarkt, schrieb die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) in einer Stellungnahme. Die höhere Nachfrage nach Hypotheken sei aber auch eine Folge der Zuwanderung. Zudem bestünden erhebliche regionale Unterschiede.

Die Bankenzahlen zum Hypothekengeschäft für das vierte Quartal 2012 seien noch nicht vollständig bekannt, hiess es. Der Bundesrat hätte aus Sicht der SBVg zudem warten sollen, bis sich die im vergangenen Sommer selbstauferlegten Regulierungsmassnahmen der Finanzhäuser auszuwirken beginnen.

Den antizyklischen Kapitalpuffer sehen die Banken insgesamt kritisch. Es sei schwierig, die Massnahme zeitgerecht umzusetzen.

Zudem sind die Banken der Meinung, die zusätzlichen Mittel erhöhten die Kreditkosten für die Bankkunden, namentlich kleine und mittlere Unternehmen. Die in der Schweiz gemessen am Ausland häufig strengeren Regeln stossen ebenfalls regelmässig auf die Kritik der Banken.

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB), die im Risikogebiet um den Zürichsee eine starke Stellung im Wohnkreditmarkt hat, sieht den Bundesratsbeschluss indessen gelassen. Die Aktivierung des Puffers sei allgemein erwartet worden, teilte ein ZKB-Sprecher der Nachrichtenagentur sda mit. Sie habe zum Stichtag 31. Dezember 2012 die zusätzlichen Anforderungen bereits erfüllt.

(vst/aho/chb/awp/sda)

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