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Prognosen
Keine Rezession dank Konsumlust

Bruttoinlandsprodukt: Frankenstärke soll einen geringeren Einfluss haben.   Keystone

Ökonomen korrigieren sich: Die Frankenstärke dürfte die Wirtschaft nicht so negativ beeinflussen wie bisher erwartet. Jobverlagerungen ins Ausland gebe es weniger als allgemein gedacht.

Veröffentlicht am 10.03.2015

Doch keine Rezession: Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse und das Forschungsinstitut Bakbasel rechnen im laufenden Jahr zwar mit einem geringeren Wachstum, nicht aber mit einem Schrumpfen der Schweizer Wirtschaft.

Der private Konsum, die Entwicklung der Wechselkurse, sowie die wachsende Weltwirtschaft dürften den Frankenschock demnach etwas abfedern.

Prognose verbessert

Die Ökonomen von Bakbasel zeichnen damit in ihrem jüngsten Ausblick ein deutlich weniger düsteres Bild als noch Ende Januar. Damals, zwei Wochen nach der Aufgabe des Euro-Mindestkurses, waren sie noch von einem Schrumpfen der hiesigen Wirtschaft um 0,2 Prozent im laufenden Jahr ausgegangen. Neu rechnet Bakbasel mit einem Wachstum von 1,0 Prozent.

Seit der letzten Prognose, als der Franken zum Euro um die Parität notierte, habe sich die Schweizer Währung wieder merklich abgewertet, begründen die Forscher den freundlicheren Ausblick. Auch gegenüber dem Dollar sei der Franken wieder schwächer geworden. Zudem wird von einer leichten Erholung des Euro in der zweiten Jahreshälfte ausgegangen.

Konsum als Wachstumstreiber

Auch wenn sich die Wechselkurssituation für die Schweizer Exportfirmen seit dem Frankenschock wieder verbessert hat, präsentiert sich die Lage nach wie vor schwierig. Die stärkste Konjunkturstütze bleibe denn auch der private Konsum, räumen die Forscher in Basel ein.

Das sieht Economiesuisse ähnlich. Die Schweizer Bevölkerung dürfte in diesem Jahr gar noch mehr konsumieren als 2014, erklärte Rudolf Minsch, Chefökonom des Wirtschaftsdachverbandes, an einer Telefonkonferenz.

Kaufkraft fördert Konsum

Minsch erklärte die Konsumlust mit der höheren Kaufkraft im Zuge der erwarteten negativen Inflationsrate von minus 0,8 Prozent. Auch die steigenden Ausgaben in staatsnahen Sektoren wie dem Gesundheitswesen stützten die Konjunktur.

Ganz so optimistisch für die wirtschaftliche Entwicklung wie bei Bakbasel ist Economiesuisse dennoch nicht. Der Verband schätzt das Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) im laufenden Jahr auf 0,6 Prozent. Der starke Franken zwinge die Unternehmen zu Kostensenkungen, und dies nicht nur in der Exportindustrie, sondern auch in der Finanzbranche und im Tourismus.

Abhängigkeit vom Ausland

Dass der starke Franken die Wachstumsraten nicht stärker einbrechen lasse, liege vor allem am starken Wirtschaftswachstum in den USA und der sich abzeichnenden wirtschaftlichen Erholung im Euroraum. 2011, als der Franken ebenfalls stark war, hätten viele Beobachter mit dem schlimmstmöglichen Szenario gerechnet, mit einem Auseinanderbrechen der Eurozone und einer wirtschaftlichen Depression, sagte Minsch.

Heute sei die konjunkturelle Lage viel besser und Economiesuisse gehe für den Euroraum von einem Wachstum von 1,3 Prozent in diesem und 1,7 Prozent im kommenden Jahr aus. Entsprechend kompensiere die aussenwirtschaftliche Entwicklung und die damit verbundene Nachfrage nach Schweizer Produkten bis zu einem gewissen Grad den starken Franken.

Falls sich das Wachstum in den USA aber abschwächen und sich die Wirtschaft in der Eurozone nicht wie erwartet erholten sollte, würde sich der Aufwertungsdruck auf den Franken wieder verstärken, gab Minsch zu bedenken. Ein Wechselkurs zum Euro um die Parität würde denn auch deutlich grössere Bremsspuren in der Wirtschaft hinterlassen.

Gefühlte Rezession

Während die Ökonomen bei Bakbasel im laufenden Jahr mit einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote von 3,3 Prozent rechnen, geht Economiesuisse von 3,7 Prozent aus. Aktuell liegt die Quote gemäss Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) bei 3,5 Prozent.

Weil längerfristig mit einem starken Franken zu rechnen sei, erwarte Economiesuisse vor allem in der zweiten Jahreshälfte weitere Stellenverlagerungen ins Ausland, sagte Minsch. Das dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die meisten Firmen in erster Linie auf Kostensenkungen, beziehungsweise Produktivitätssteigerungen im Inland konzentrierten.

Weil aber Stellenverlagerungen ins Ausland medial überproportional viel Aufmerksamkeit erhielten, bestehe in der Bevölkerung die Wahrnehmung, dass praktisch alle Firmen betroffen seien. Diese «gefühlte Rezession» stimme aber nicht mit der Realität überein. Tatsächlich sei die Lage nach wie vor stabil und die Produktion müsse generell nicht gedrosselt werden.

(sda/lur)

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