Die Schweiz dürfte nach Ansicht der Kof-Ökonomen die starke Franken-Aufwertung nach der Abkehr von der Euro-Anbindung besser als bislang angenommen verkraften. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte in diesem Jahr voraussichtlich um 0,9 Prozent steigen, geht aus der am Donnerstag veröffentlichten Prognose der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (Kof) hervor. Im Juni waren die Experten lediglich von 0,4 Prozent Wachstum ausgegangen.

«Die Schweizer Wirtschaft hat sich – einmal mehr – flexibler und widerstandsfähiger gezeigt, als es angesichts des 'Franken-Schocks' zu erwarten war», erklärten sie. Erkauft wurde das allerdings mit Margeneinbussen, viele Produzenten senkten ihre Verkaufspreise.

BIP-Anstieg von 1,4 Prozent

Im kommenden Jahr dürften die Exporte dank Impulsen von der globalen Konjunktur wieder stärker zunehmen und damit das Wachstum ankurbeln. Die Kof veranschlagt einen BIP-Anstieg von 1,4 Prozent. Für 2017 wird eine Wachstumsbeschleunigung auf 1,8 Prozent prognostiziert. Eine Stütze für die Wirtschaft bleibt auch der private Konsum. Die Arbeitslosigkeit dürfte zunehmen. Bei den Verbraucherpreisen rechnen die Kof-Ökonomen 2017 erstmals mit einem leichten Anstieg von 0,3 Prozent.

Dem Franken räumt die Kof nach der jüngsten Stabilisierung kein grosses Abwertungspotenzial ein, obwohl die Landeswährung momentan als «sicherer Hafen» eine geringere Rolle zu spielen scheine. Für die Haupt-Exportwährung Euro gehen die Ökonomen bis Ende 2017 von einem Wechselkurs von 1,10 Franken aus. Aktuell werden für die Gemeinschaftswährung 1,0910 Franken bezahlt.

Starker Franken belastet exportorientierte Firmen

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hatte im Januar die mehr als drei Jahre geltenden Euro-Kursuntergrenze von 1,20 Franken aufgegeben. Der darauffolgende sprunghafte Anstieg des Frankens macht der exportorientierten Industrie und dem Tourismus des Landes zu schaffen. Das verteuert Schweizer Waren im Ausland und macht sie weniger konkurrenzfähig. Im zweiten Quartal schrammte die Schweiz an einer Rezession vorbei. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) stieg dank robuster Konsum- und Staatsausgaben sowie Ausrüstungsinvestitionen gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent. In den ersten drei Monaten war die Wirtschaft um 0,2 Prozent geschrumpft.

(sda/me/ama)

 

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