Die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft haben sich weiter verschlechtert. Das Konjunkturbarometer der Konjunkturfoschungsstelle der ETH Zürich (KOF) sank im Dezember wiederum - auf nur noch 0,01. Das ist der tiefste Stand seit über zwei Jahren. Im November hatte das Barometer noch revidiert 0,34 angezeigt, nach 0,75 im Oktober und 1,21 im September.

«Wenn wir unseren Konjunkturprognosen (von Mitte Dezember) glauben, dann befindet sich die Schweizer Wirtschaft in diesem und im nächsten Quartal im negativen Wachstumsbereich und das ist technisch gesehen schon eine Rezession», sagte Michael Graff, Leiter Konjunktur bei der KOF (unten zu sehen im Video-Interview).

Nach jetzigem Kenntnisstand dürfte die zweite Jahreshälfte 2012 allerdings wieder etwas besser werden. Damit sollte die Rezession technisch gesehen zu Ende sein, so Graff weiter. «Es ist nur eine kurze Rezession nach unserem jetzigen Kenntnisstand.»

Bremsspuren bei der Bauindustrie

Von der Rezession am meisten betroffen sein werden gemäss Graff die Tourismusbranche und die export-orientierten Wirtschaftszweige wie die Maschinenindustrie, beziehungsweise alle Unternehmen, die Vorprodukte nach Deutschland und in die Europäische Union liefern. Die Bauindustrie habe sich bisher als sehr robust erweisen, zeige nun aber auch Bremsspuren, hiess es weiter.

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Als wichtigste Einflussfaktoren für das Wachstum der Schweizer Wirtschaft nennt Graff die europäische Konjunktur und den Aussenwert des Schweizer Frankens. Dabei erwartet die KOF im kommenden Jahr eine Abschwächung des Frankens gegenüber dem Euro. «Wir gehen in unseren Annahmen davon aus, dass sich der Franken langsam in Richtung 1.30 zum Euro entwickelt.»

Kleines Wachstum für 2012 erwartet

In den Mitte Dezember veröffentlichten Winterprognosen hatte die KOF für 2012 einen Anstieg des Bruttoinlandprodukts (BIP) um 0,2 Prozent erwartet und für 2013 eine Beschleunigung auf 1,9 Prozent.

Das Konjunkturbarometer setzt sich aus drei Modulen zusammen. Die Gesamtwirtschaft ohne Bau- und Kreditgewerbe ist mit einem Anteil von gut 90 Prozent an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung der wichtigste Bestandteil. Ihm zugrunde liegen als Messmodule der Schweizer Konsum, die Schweizer Industrie und die Exportdestination EU.

(tno/rcv/awp/sda)