Die Binnenwirtschaft brummt. Die Schweizer konsumieren, als ob es keine Krise gäbe. Der Konsumindikator der UBS klettert höher und höher. Nach einem wetterbedingten Durchhänger im 1. Quartal läuft auch der Bau wieder. In den ersten drei Monaten wurden 16000 Gesuche für neue Wohnein­heiten eingereicht, so viele wie noch nie seit 1996. Das Konjunkturbarometer der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) stieg im Mai weiter an. Das Wirtschaftswachstum dürfte «weiter an Dynamik gewinnen», prognostiziert die KOF.

Jenseits der Grenzen braut sich ein Gewitter zusammen. Die Einkaufsmanager-Indizes als bewährte vorlaufende Indikatoren befinden sich in Euro-Land im freien Fall. Die Euro-Krise in der Peripherie in­fiziert langsam den Kern. Zudem stockt der Wachstumsmotor China.

Das sind schlechte Nachrichten für die Zulieferer der Exportindustrie, die bereits unter dem starken Franken ächzen. Vor allem Betriebe der Maschinen- und Metallindustrie leiden unter Auftragsschwund und Margenverlust. «Seit letztem Sommer haben wir bei einzelnen Kunden einen bedeutenden Umsatzanteil verloren», sagt Christoph Leimgruber, Chef des Aargauer Werkzeugbauers Alesa. Während sich die schweizerischen Kunden von den hiesigen Zulieferern ­abwenden, kommen aus dem Ausland teilweise überhaupt keine Anfragen mehr, «wegen unseres Teuer-Image», sagt der Bauteilelieferant Christoph Nägeli.

«Ich mache mir schon Sorgen», sagt Janwillem Acket, Chefökonom der Bank Julius Bär. «Unser wichtigster Exportmarkt, die Euro-Zone, ist weitgehend in der Rezession.» Mit den Parlamentswahlen in Frankreich und Griechenland könnte es noch einmal stürmisch werden, warnt Acket. Die Bankenkrise in Spanien sei nicht gelöst. «Es ist alles in der Schwebe.» Kommt es zum «GAU im Euro-Land, dann wird es ganz schwierig für die Schweiz».

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