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Winter
«Langfristig können nur zwei Skigebiete bestehen»

Sessellift aufs Kuonisbergli: Auch Adelboden ist vom schlechten Februar betroffen.  Keystone

Nicht nur das Wetter ist Schuld am Einbruch des Ski-Tourismus. Resortmanager Urs Pfenninger sagt, im Berner Oberland etwa würden nur zwei Skigebiete bestehen. Ein Gespräch über den Kampf um Besucher.

Von Gabriel Knupfer
am 11.03.2014

Nach einem ansprechenden Start in die Wintersaison, sind die Besucherzahlen in den Schweizer Ski-Resorts im Februar regelrecht eingebrochen. Alle Regionen sind betroffen, am schlimmsten trifft es aber das Bündnerland (mit minus 13 Prozent) und das Wallis (minus 16 Prozent). Dies, nachdem der Trend bereits seit Jahren nach unten gezeigt hat. Handelszeitung.ch fragte Urs Pfenninger*, Tourismuschef von Adelboden, nach den tieferliegenden Gründen für den Einbruch und den Möglichkeiten zu einer Trendwende.

Der Skitourismus ist in der Schweiz massiv eingebrochen. Wie sieht es in Adelboden aus?

Urs Pfenninger: Der Winter begann sehr gut, im Dezember hatten wir neun Prozent mehr Logiernächte als im Vorjahr. Auch im Januar starteten wir stark, doch dann kam der Einbruch. Am Ende resultierte ein Minus von 1,7 Prozent. Im Februar hatten wir schliesslich zehn Prozent weniger Logiernächte als im Vorjahr. Dass wir damit im Vergleich zu anderen Skigebieten immer noch gut dastehen, kann natürlich kein Trost sein. Man muss aber sehen, dass die Zahlen je nach Betrieb stark variieren. In der Kategorie Vierstern oder höher stehen die Hotels sogar besser da als im Vorjahr. Einen starken Rückgang erlebten dagegen die meisten Dreisternhäuser, während die Parahotellerie oder auch Lodges vom Rückgang kaum betroffen war.

Vom Wetter her war es ein schlechter Winter. Wie gross ist dessen Einfluss auf die Tourismuszahlen?

Gerade im Februar gab es immer wieder Sturmwarnungen, die dem Geschäft natürlich geschadet haben. Die Hotels sind heute viel volatiler unterwegs als noch vor zwanzig Jahren. Gäste entscheiden sich oft kurzfristig für ein Wochenende auf der Piste. Das merke ich immer wieder, wenn ich mit Hoteliers spreche. Früher legte man in der Hauptsaison keinen grossen Wert auf Wochenendgäste, heute ist es dagegen ganz normal, dass man auch am Donnerstag oder Freitag noch ein Hotelzimmer fürs Wochenende buchen kann. Interessant ist, dass die Parahotellerie von diesem Wandel weniger betroffen ist, weil die Leute solche Angebote immer noch weit im Voraus buchen.

Es gibt aber auch eine allgemeine Tendenz, dass die Jungen heute weniger Skifahren. Was kann man dagegen unternehmen?

Der Spruch «alles fährt Ski» gilt sicher nicht mehr. Trotzdem haben wir im letzten Herbst einen Rekord an verkauften Saisonabonnementen aufgestellt. Aber die Anzahl der Skifahrer nimmt nicht zu. Die neuen Märkte, beispielsweise in Osteuropa, kompensieren nicht den stetigen Rückgang bei den Stamm-Märkten. Insgesamt erleben wir wohl eine Rückkehr zum Skifahren als Premiumsportart. Eine wichtige Rolle spielt hier das grössere Freizeitangebot. Skifahren ist heute ein bewusster Entscheid, ein Hobby wie viele andere.

Ist Skifahren nicht einfach zu teuer geworden?

Ich glaube nicht. Mobilität und damit auch Auslandsreisen sind einfach viel billiger als früher. Das Preis-Leistungsverhältnis beim Skifahren ist nicht schlechter geworden, die Infrastruktur, die Bahnen, alles ist viel besser geworden in den letzten Jahren und der Preis scheint mir auch deshalb angemessen.

Trotzdem gibt es kräftige Investitionen in den Berggebieten, auch bei Ihnen in Adelboden. Was erhoffen Sie sich davon?

Ich sage es klipp und klar: Im Berner Oberland können langfristig nur zwei Skigebiete bestehen. Adelboden-Lenk will zu diesen zwei gehören. Die Bergbahnen Adelboden wie auch an der Lenk gehören finanziell zu den gesündesten der Schweiz. Diese Betriebe werden  jährlich zweistellige Millionenbeträge in die Infrastruktur investieren. Andere Regionen müssten  über 200 Millionen Franken investieren um nur schon auf unseren heutigen Stand zu kommen. Wir wollen aber sicher keine «Disneysierung» der Berge, wie es teilweise in Österreich geschieht. Es ist uns wichtig, die touristisch intensiv genutzten Gebiete nicht auf Kosten der intakten Natur auszudehnen. Eine «Möblierung» der Berge wäre ein Eigentor, weil das Bedürfnis der Gäste nach Unversehrtheit und Echtheit in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen wird.

Was erwarten Sie von der Politik?

Wir sehen uns als Regionenentwickler, das heisst, die gesamte Wirtschaft unserer Region soll vom Tourismus profitieren. Subventionen sind dazu nicht einmal so wichtig, die Politik soll uns in erster Linie keine neuen Steine in den Weg legen. Wir haben Hausaufgaben zu machen, aber: Die Tourismusbranche in der Schweiz arbeitet nicht so schlecht, wenn man bedenkt, wie die Skiregionen im Ausland, beispielsweise das Tirol in Österreich, von der öffentlichen Hand mit Förderbeiträgen subventioniert werden, während unsere Unternehmer alles selbst auf die Beine stellen müssen.
 

*Urs Pfenninger ist seit Februar 2013 Adelbodens Resortmanager. Der Tourismuschef der Destination Adelboden-Frutigen studierte Geschichte und Staatsrecht. Für den Tourismus besuchte er einen Quereinsteiger-Lehrgang.

 

 

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