SP-Präsident Christian Levrat wehrt sich vehement gegen Forderungen nach Lohnsenkungen, um Unternehmen bei der Bewältigung der Frankenstärke zu unterstützen. Tiefere Löhne würden aus seiner Sicht zu neuen Problemen und allenfalls sogar zu einer Rezession führen.

«Löhne auf breiter Front zu senken, heisst, das Land direkt in eine schwere Rezession zu führen», sagte Levrat in einem Interview, das am Mittwoch im «Tages-Anzeiger» und «Der Bund» erschien. Bei tieferen Löhnen würden die Konsumenten nichts mehr kaufen, was einen Einbruch der inländischen Nachfrage zur Folge hätte, begründet er. Diese habe aber 2009 und 2011 die Wirtschaft «gerettet».

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Attacke gegen Schneider-Ammann

Levrat greift auch Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann scharf an. Die bisherigen Aussagen des Bundesrates interpretiert Levrat als Aufforderung zu Lohnsenkungen. Schneider-Ammann mache auf Panik, sagte Levrat. «Ich bedaure es sehr, dass der Wirtschaftsminister es nicht schafft, die Ruhe zu bewahren.»

Schneider-Ammann distanzierte sich davon, er wolle die Löhne senken. Lohnverhandlungen seien Sache der Sozialpartner, sagte er am Wochenende zur Nachrichtenagentur SDA. Der Berner FDP-Bundesrat bezeichnete Lohnsenkungen als allerletztes Mittel in extremen Situationen.

Ausweichreaktionen unumgänglich

Die Ökonomen von Safra Sarasin haben ihre Konjunktur-Prognosen für die Schweiz nach Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die SNB derweil drastisch gesenkt. Sie rechnen nun in den ersten zwei Quartalen 2015 mit negativen Wachstumsraten und sprechen - entsprechend der üblichen Definition für zwei Quartale mit negativen Wachstumsraten in Folge - von Rezession in der Schweiz. Für das Gesamtjahr bleibt die Prognose für das reale BIP-Wachstum knapp im Plus.

Die Schweizer Wirtschaft sei bis zur plötzlichen Aufhebung der Franken-Untergrenze durch die SNB auf einem soliden Wachstumspfad unterwegs gewesen, heisst es im neuesten «Macro Focus» der Bank. Die Aufhebung der Untergrenze habe aber inzwischen zu einer handelsgewichteten Aufwertung von rund 17 Prozent in so kurzer Zeit geführt, dass Ausweichreaktionen der Konsumenten, der Exporteure und Importeure unumgänglich seien.

Jahreswachstumsprognose bei 0,4 Prozent

Der Detailhandel und das Gewerbe in grenznahen Bereichen dürften unter den veränderten Wechselkursrelationen besonders leiden. Im Exportsektor seien insbesondere Firmen betroffen, welche in einem preissensitiven Umfeld operierten – in erster Linie der Tourismussektor. Mit dem Wegfall der Wechselkursuntergrenze vermindere sich für Unternehmen die Planungssicherheit, was eine Abschwächung der Investitionen nach sich ziehen dürfte.

Die Entwicklung des Frankens ging für die Prognostiker der Basler Privatbank zwar «durchaus in die richtige Richtung», die Schnelligkeit der Aufwertung stelle die Wirtschaft allerdings vor eine starke Belastung. Sie erwarten daher im ersten und zweiten Quartal negative Quartalswachstumsraten und haben ihre Jahreswachstumsprognose auf 0,4 Prozent (von 1,4 Prozent) gesenkt.

Kurs bei 1,05 erwartet

Mit anderen Worten, heisst es weiter, schwäche sich die hiesige Konjunktur in einer Phase ab, in der die Euroland-Konjunktur etwas an Fahrt gewinne. Die divergierenden Konjunkturtrends würden sich in der Schweiz in den nächsten Monaten in enttäuschenden Stimmungsindikatoren und steigenden Arbeitslosenquoten niederschlagen.

Sollte sich die diese deutliche Verschlechterung der Schweizer Konjunktur tatsächlich konkretisieren, so dürfte auch der Aufwertungsdruck auf den Franken geschwächt werden. Die Safra-Sarasin Analysten erwarten, dass dies im Jahresverlauf zu einem Rückgang des Franken gegenüber dem Euro auf 1,05 führt.

(awp/sda/tno/ise)