Schweizer Unternehmen haben 2011 wegen unbezahlten Forderungen 8,8 Milliarden Franken in den Wind schreiben müssen. Europaweit summierten sich die Verluste auf 340 Milliarden Euro, was ein neues Rekordniveau markiert. Dies geht aus dem «European Payment Index» hervor, den das Inkasso-Unternehmen Intrum Justitia veröffentlichte. Der Index basiert auf einer jährlichen Umfrage bei rund 7'800 Firmen in 28 europäischen Ländern.

Dabei verharrt die Zahlungsmoral in der Schweiz auf dem Vorjahresniveau. So wurden 1,8 Prozent der Forderungen nicht beglichen, ebenso viele wie ein Jahr zuvor. Die anhaltenden wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten fordern aber allmählich ihren Tribut. So hätten 36 Prozent der befragten Unternehmen in der Schweiz angegeben, dass die Rezession zu Liquiditätsproblemen geführt habe. Im Vorjahr betrug dieser Anteil noch 25 Prozent.

Die achte Ausgabe des EPI zeigte ausserdem, dass die Unternehmen versuchen, den Liquiditätsproblemen mit einer Verkürzung der vertraglichen Zahlungsfrist zu begegnen. Im Mittel ging die Frist bei B2B-Transaktionen von 36 auf 32 Tage zurück. Der durchschnittliche Zahlungsverzug liegt weiterhin bei 20 Tagen. Demgegenüber erhöhte sich die Frist bei B2B-Transaktionen in der Schweiz von 29 auf 30 Tage. Der durchschnittliche Zahlungsverzug beträgt 10 Tage.

Die verschlechterte Zahlungsmoral hinterlässt auch beim Ausblick der Unternehmen ihre Spuren. So gehen 83 Prozent der Firmen in der Schweiz davon aus, dass die Risiken im Zusammenhang mit ihren Schuldnern in den nächsten 12 Monaten steigen oder zumindest auf gleichem Niveau verharren werde.

(vst/chb/awp)

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