Die Schweizer Bauwirtschaft führt ihre guten Geschäfte zum Jahresauftakt vor allem auf das milde Wetter zurück. Das Umsatzplus im ersten Quartal von 15,1 Prozent auf 3,7 Milliarden Franken ist laut dem Baumeisterverband (SBV) nur bedingt ein Ausdruck der konjunkturellen Entwicklung.

So hätten die Baufirmen zwischen Januar und März ihren Arbeitsvorrat abbauen können und die Arbeiten nicht einstellen müssen, teilte der SBV mit. Vorhaben konnten zudem früher als geplant in Angriff genommen und schneller ausgeführt werden.

Besonders stark zugenommen hat der Wohnungsbau. In diesem Geschäftsfeld wurden über 1,2 Milliarden Franken umgesetzt, 16,3 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahresquartal. Der Wohnungsbau habe sich in den letzten Quartalen als neues Zugpferd der Bauwirtschaft profiliert, schreibt der SBV.

Als Grund für die rege Produktion sieht der Verband die historisch tiefen Zinsen sowie die grosse Wohnungsnachfrage. Dazu trage die anhaltend hohe Einwanderung kaufkräftiger Ausländer bei.

Weniger Gewerbebauten

Das Volumen bei den Büro- und Gewerbebauten hat dagegen um 7,1 Prozent abgenommen. Die mittelfristigen Aussichten blieben intakt. Erteilte Baubewilligungen würden darauf hindeuten.

Vom Tiefbau seien im laufenden Jahr keine entscheidenden Wachstumsimpulse zu erwarten, hiess es. Stattdessen rechnen die Baumeister mit einer Stagnation auf hohem Niveau. In den vergangenen zwei Jahren habe der Tiefbau noch als Schrittmacher der Bauwirtschaft gegolten und dafür gesorgt, dass diese nahezu unbeschadet durch die Krise gekommen sei.

Branche beklagt Fachkräftemangel

Neben der insgesamt positiven Entwicklung in der Baubranche mangelt es vielen Bauunternehmen allerdings weiter an Fachpersonal. Fast jedes zweite SBV-Mitglied meldete Engpässe bei der Rekrutierung von Bauführern. Die gesamtschweizerische Lücke werde auf rund 500 Bauführer geschätzt, was zehn Prozent des gesamten Bauführerbestands entspreche.

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Ähnlich sei die Situation bei Bauingenieuren, Polieren, Vorarbeitern und Maschinisten. Der Fachkräftemangel führe dazu, dass die betroffenen Baufirmen ihre Kapazitäten nicht erhöhen könnten.

Positiver Ausblick

Trotz der Probleme bei der Personalrekrutierung blickt der SBV optimistisch in die Zukunft. Die Zeiten überdurchschnittlicher Zuwachsraten seien zwar vorbei. Die weiterhin hohen Arbeitsvorräte sowie die starke Zunahme der Zementlieferungen bestätigten aber, dass eine unmittelbare Abkühlung der Bauwirtschaft sehr unwahrscheinlich sei.

Ende März lag der Auftragsbestand bei 12,6 Milliarden Franken. Damit liegt der Arbeitsvorrat 7,3 Prozent höher als Ende März 2010. Das dürfte den Firmen für die nächsten Quartale weiterhin gute Einnahmen garantierten, schreibt der SBV.

(cms/tno/sda)