1. Home
  2. Konjunktur
  3. Muss die SNB wieder die Frankengrenze verteidigen?

Gold
Muss die SNB wieder die Frankengrenze verteidigen?

Der Euro fällt bedrohlich nahe in Richtung der Frankengrenze. Zuletzt war die Schweizer Währung vor über zwei Jahren so stark. Wegen der Gold-Initiative könnte die SNB gezwungen werden, zu handeln.

Von Mathias Ohanian
am 14.11.2014

Der Euro rutscht bedrohlich nahe in Richtung Franken-Untergrenze. Der Wechselkurs bewegt sich zum Ende der Woche so nahe am von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) gestezten Mindestkurs von 1.20 Franken wie zuletzt im September 2012 – dem Zeitpunkt, als die Währungshüter zuletzt eingreifen und die eingezogene Währungsgrenze verteidigen mussten.

Heute Mittag notierte ein Euro bei 1.2015 Franken. Bereits gestern gab es vergleichbare Ausschläge. Deshalb fragen die Ökonomen der Commerzbank in einer Analyse: «Ist das über drei Jahre alte Wechselkursregime der SNB damit in Gefahr?» Ausschliessen will man es in Frankfurt offenbar nicht.

Glaubwürdigkeit der SNB wackelt wegen Initiative

Doch warum steigt der Franken angesichts guter Konjunkturdaten aus der Euro-Zone? Die Devisenexperten argumentieren, dass der aktuelle Spekulationsdruck nahe der Frankengrenze ein Ergebnis der Konfusion über die kurz- und langfristigen Risiken der Gold-Initiative sei. Über sie wird am 30. November abgestimmt.

Im September 2012 sorgte erst Mario Draghis berühmte Rede in London dafür, dass sich der Euro gegenüber dem Franken erholte. Seinerzeit erklärte der Präsident der Europäischen Zentralbank den Euro für unumkehrbar. Laut Commerzbank befinde man sich heute in einer vergleichbaren Lage wie vor gut zwei Jahren: Die Glaubwürdigkeit der SNB wackle wegen der Gold-Initiative.

SNB dürfte im Ernstfall «Zähne zeigen»

Sollten die Schweizer den Vorstoss annehmen, würde der Preis für die Verteidigung der Frankengrenze deutlich steigen. Unabhängig vom Ausgang der Abstimmung rechnen die Commerzbank-Analysten damit, dass die Nationalbank die Mindestgrenze kurz nach der Initiative verteidigen wird.

Und sollten Investoren nun die SNB ernsthaft testen wollen, dürfte diese «ihre Zähne zeigen», schreiben die Commerzbank-Analysten. Auf ein Ende der Frankengrenze zu setzen, sei deshalb «keine attraktive Strategie».

Anzeige