Fünf Jahre in Folge sind die Schweizer Exporte gestiegen – und erreichten 2014 mit über 208 Milliarden Franken ein neues Rekordhoch, wie die Eidgenössische Zollverwaltung meldet. Doch kaum sind die heftigen Verluste aus der Finanzkrise aufgeholt – im Jahr 2009 sanken die Ausfuhren um 12,5 Prozent –, droht neues Ungemach: Die plötzliche Aufwertung des Frankens nach der Aufgabe des Mindestkurses Mitte Januar drohen der Schweizer Exportwirtschaft in diesem Jahr erstmals wieder sinkende Geschäfte im Ausland zu bescheren (siehe Grafik unten).

Sowohl die Wirtschaftsexperten von Bak Basel als auch die Zürcher Konjunkturforschungsstelle Kof erwarten in diesem Jahr einen Rückgang der Ausfuhren um knapp 1,5 Prozent. Wie schwer der neue Frankenkurs wiegt, lässt sich am Vergleich früheren Prognose für 2015 erahnen: Noch im Dezember erwarteten die ETH-Forscher für 2015 ein Exportplus von 5 Prozent.

Maschinenbauer, Elektro- und Metallindustrie leiden

Gemäss einer gängigen Daumenregel führt eine Aufwertung des Frankens um 1 Prozent aber zu einem Rückgang der Exporte um etwa 0,3 Prozent. Die deutliche Revision ist nun das Ergebnis. Für die Branchen der Exportindustrie dürfte 2015 ein «schwieriges Jahr» werden, konstatieren im heute veröffentlichten Branchenhandbuch auch die Ökonomen der Credit Suisse. Die Frankenstärke treffe fast jede Industriebranche – wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise.

«Besonders sensitiv dürfte dabei die exportorientierte Maschinenbau-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) reagieren, welche sich bisher bereits ohne die abermalige Aufwertung des Frankens auf einem holprigen Wachstumspfad befand», heisst es in der Analyse. Daran ändere auch die erwartete leichte Erholung der Weltwirtschaft nur wenig.

Wachstum in der Euro-Zone wichtiger als Wechselkurs

Weniger skeptisch ist demgegenüber Martin Neff, Chefökonom von Raiffeisen Schweiz. Er betont, dass es nun mehr auf das Wachstum in der Euro-Zone ankomme als auf den Wechselkurs. «Die Eurozone könnte wegen des günstigen Euros, des gefallenen Ölpreises und des Niedrigzinsumfeldes bald schon erste positive Signale senden», glaubt er. So schaffe eine Beschleunigung des Wachstums in der Euro-Zone um 1 Prozent Raum für 2,5 Prozent mehr Exportwachstum in der Schweiz.

Daneben hat die Kof für ihre neue Prognose Parität zwischen dem Franken und dem Euro veranschlagt. Heute ist der Franken mit einem Gegenwert von rund 95 Euro-Cent jedoch günstiger. Somit könnte am Ende auch ein etwas schwächerer Franken als heute erwartet für zusätzliche Entlastung sorgen.