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Nationalbank: Leitzins unverändert

Die Nationalbank will mit niedrigen Zinsen die Wirtschaft ankurbeln. (Bild: Keystone)

Die Schweizer Banken können sich weiterhin fast gratis mit Geld versorgen: Die Nationalbank belässt den Leitzins bei 0,25 Prozent. Kritik kommt vom Gewerkschaftsbund.

Veröffentlicht am 17.03.2011

Das Zinszielband der Schweizer Nationalbank (SNB) lautet unverändert 0 bis 0,75 Prozent, angestrebt wird der untere Bereich bei 0,25 Prozent, wie die SNB am Morgen mitteilte. Banken können sich bei ihr nun seit zwei Jahren fast gratis mit Geld versorgen. Damit will die Nationalbank die Kreditvergabe und die Gesamtwirtschaft ankurbeln.

Die SNB hatte nach dem Schock der Finanzkrise und den massiven Auswirkungen auf die Weltwirtschaft den Leitzins innerhalb eines halben Jahres von 2,75 auf 0,25 Prozent gestutzt, nicht zuletzt weil die Geldversorgung unter den Banken zum Erliegen kam.

Auf diesem Tiefststand notierte der Leitzins schon in der Rezession nach den Anschlägen vom 11. September 2001 während fünf Quartalen. Die gegenwärtige Rekordtief-Phase geht nun in das neunte Quartal. Trotz Abflauen der Finanzkrise verzichteten die Notenbanken der meisten Industriestaaten mit Verweis auf die noch fragile Erholung und die Schuldenkrise darauf, ihre Geldpolitik zu normalisieren.

Gewerkschaftsbund kritisiert Nationalbank

Ökonomen haben bislang erwartet, dass die SNB im Sommer oder im Herbst erstmals wieder den Leitzins anheben wird. Allerdings würde sich der Franken tendenziell weiter aufwerten, sollte die SNB deutlich vor der Europäischen Zentralbank (EZB) oder der US-Notenbank Fed die Zinsschraube anziehen.

Die EZB hat für April eine Erhöhung angedeutet. Das war allerdings vor dem Japan-Schock. Wegen der Atomkatastrophe ist der Franken einmal mehr als sicherer Hafen gesucht, wie die Kursentwicklung zeigt: Am Vormittag kostete ein US-Dollar erstmals weniger als 90 Rappen.

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) kritisierte, dass die SNB trotzdem keine Interventionen bei Deflationsgefahr mehr in Aussicht stelle. Ohne Gegenmassnahmen gegen die Frankenstärke seien Löhne und Arbeitsplätze in Gefahr. Allerdings musste die SNB wegen Kurseinbussen nach Deviseninterventionen für 2010 einen Verlust von 19,2 Milliarden Franken ausweisen.

Hypokredite bleiben unter der Lupe

Solange die Zinswende auf sich warten lässt, bleiben auch Hypothekenkredite billig. Deren Wachstum hat sich zwar verlangsamt, bleibt aber hoch. Die Lage erfordere "nach wie vor die volle Aufmerksamkeit", schreibt die Nationalbank. Einige Ökonomen warnen bereits vor regionalen Hypothekenblasen.

Auch der Hauseigentümerverband rät Banken und Kreditnehmern, die notwendige Sorgfalt bei der Tragbarkeitsberechnung walten zu lassen. Der Entscheid, den Leitzins zu belassen sei hingegen positiv für die Eigentümer von Liegenschaften, wie auch für die Mieter von Wohnungen und Geschäftsräumen.

(tno/laf/sda)

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