Eine Währung ist das ökonomische Schaufenster eines Währungsraumes. Noten und Münzen – vulgo Bargeld – sind das monetäre Schaufenster des Staates, des Staatenbundes oder des Bundesstaates. Dieses Bargeld wird jeweils von der zuständigen Währungs­behörde designt und unter hohen Sicherheitsauflagen in Auftragsproduktion hergestellt, letztlich wie irgendein anderes herkömmliches Produkt.

Das Design wird entweder «in-house» von eigenen Designern mit einer gewissen politischen Aufgabe angereichert produziert oder in mehr oder weniger intransparenten Wettbewerben unter Gestaltern ausgeschrieben und dann unabhängig von der Reihenfolge der ­Gewinner per «Ordre du Mufti» umgesetzt – man könnte kalauern, es sei auch schon mal «zurückgekrebst» worden.

Solche Projekte sind immer von höchster Wichtigkeit und müssen verschiedensten ­maximalen Sicherheitsansprüchen genügen. Darum ist alles streng geheim und intransparent, darum kann es immer wieder zu Verzögerungen kommen. Das richtige Leben grüsst.

Anzeige

Vom leichtgewichtigen Gelb zum bedeutungsschwangeren Violett

Die Schweiz erhält dieser Tage ihre neunte Banknotenserie von der SNB zugeteilt, der 50er-Schein macht das «Guguseli». Nach vielen Verschiebungen, nach himmelhohen Ansprüchen an Material, Druck, Sicherheit («Musterschüler der Welt») und sicher auch ebensolchen an die Lancierungs-Logistik – ein Brimborium, das man ja nur erahnen kann.

Das neue Design gibt Grund zu unnötigen Diskussionen (obwohl de gustibus non est disputandum, über Geschmack lässt sich nicht streiten), der Color-Code der Noten wird sauber eingehalten bleiben und wird uns Verbrauchern schnell vertraut vorkommen: Vom leichtgewichtigen Gelb bis zum bedeutungsschwangeren Violett. Auf den Totenschädel auf der 1000er-Note wurde gerne verzichtet, Damien hin, Hirst her.

Vielschichtes Verhältnis zu unserer Währung

Interessant ist die Bedeutung der Einführung einer neuer Banknotenserie generell und natürlich ganz speziell in der Schweiz. Unser eigenartiges Verhältnis zu Geld und insbesondere zu unserer Währung ist ein vielschichtiges.

Die lässigen Amerikaner haben mittlerweile eine Art rollender Planung und Einführung immer neuer und doch irgendwie selbstähnlicher Greenbacks eingeführt.

Der dumpfe Euro ist und bleibt ein lebloses, ungeliebtes Retortenkind, die Überarbeitungen feiern bestenfalls die Funktionäre in Brüssel; den kalabresischen Fischer juckt es nicht, gar nicht. Ach, war die italienische Lira italienisch, so schön futzelig und positiv billig anzufassen, wie Spielgeld.

Risikoscheu schweizerisch

Der Franc war wunderbar französisch, un peu überheblich designt und immer etwas hopplahopp umgesetzt, ab Werk zerknittert, an den Falten schnell eingerissen. Die D-Mark war nach der Rentenmark und der – sagen wir mal – belasteten Reichsmark ein Hybridprodukt ohne echten Stammbaum. Funktional, ohne Sex-Appeal, aber wertstabil. Darum hatten die Deutschen wohl am wenigsten Bauchweh mit der Euro-Einführung. Tja, und das britische Pfund? Britannien pur: Royal, selbstherrlich, ewiggestrig und einfach nur schön. Allesamt Schaufenster eben, siehe oben.

Der wertvolle, bisweilen «schockierend» hohe Schweizer Franken ist in diesem Sinne äusserst schweizerisch. Auf dem Millimeter­papier designt, hyperpräzise gefertigt und nur leicht künstlerisch angehaucht. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Farblich warm und angenehm abgestimmt, ohne wirklichen Mut zum Extravaganten, im besten Sinne risikoscheu. In einem Wort: korrekt. Wie das Land, so das Geld.

Anzeige

Zum Glück kein Tritt in die Matterhorn-Klischee-Falle

Ohne Streitsucht ums Geschmäckle, über das sich ja eben nicht streiten lässt, Folgendes zum Design: Überraschend knalliger als die ­gehandelten Prototypen, gewohnt grün mit ­kubistischen Verläufen, einerseits natürlich Berge, aber zum Glück kein Tritt in die Matterhorn-Klischee-Falle, Geissenpeter stürzt sich am Paraglider in einen Lavastrom des Glücks (aha: Mega-Trend Freizeitgesellschaft), kartographische Linien zerklüften die Idylle zum Sturm. Anderseits hält uns jemand den welkenden Löwenzahn vor die Nase, die Pollen fliegen und kristallisieren sich auf einer Art Todesstern (Euro? Wall Street?). Die SNB signiert in einem satten Rot, Ton in Ton, Piet Mondrian für Arme? Die Typographie der Ziffern wirkt googeliger aufgeräumt als der Mischmasch der noch aktuellen Version.

Die Einführung neuer Noten in der Schweiz ist ein Politikum erster Güte. Die Schweizers werden vor den Schalterhallen Schlange stehen, um als Erste die neuen 50er in den Händen ­halten zu können. Nur ein Schelm, wer Böses dabei denkt und den Vergleich zu einer iPhone-Lancierung machen würde?

 

* Cary Steinmann ist Dozent für Marketing an der ZHAW.