Die Schweizer Wirtschaft wächst robust. Um immerhin 0,2 Prozent legte das Bruttoinlandprodukt (BIP) Ende 2013 gegenüber dem Vorquartal zu, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) heute meldete. Insgesamt lag die Wirtschaftsleistung zum Jahreswechsel nach den vorläufigen Zahlen 2,0 Prozent über dem Niveau von vor zwölf Monaten. Von einem so stattlichen Wachstum können viele andere entwickelte Volkswirtschaften rund um den Globus nur träumen – vor allem die Nachbarn der Schweiz.

Beispiel Deutschland. Die grösste Ökonomie Europas gehört zu den internationalen Gewinnern nach der Finanzkrise. Ähnlich wie in der Schweiz steht die Arbeitslosigkeit dort auf einem langjährigen Tief. Doch die Wirtschaftsleistung legte im vergangenen Jahr gerade mal um 0,4 Prozent zu – da wuchs die Schweizer Wirtschaft rund fünf Mal so schnell.

Wachstum lässt Ende 2013 etwas nach

Doch Fakt ist auch: Das Wachstumstempo hat hierzulande in den vergangenen Quartalen nachgelassen. Zu Jahresbeginn gab es noch ein Plus von 0,6 Prozent, dann folgten zwei Quartale mit einem halben Prozent Zuwachs. Nun eben nur noch 0,2 Prozent.

Das ist freilich kein Drama. Allerdings wird deutlich: An den nackten Zahlen gemessen, performen andere entwickelte Volkswirtschaften seit der grossen Finanzkrise noch einen Tick besser. Allen voran Nordamerika. Aber auch Australien: Gezogen vom Rohstoffhunger Chinas legte das Bruttoinlandprodukt dort seit Anfang 2008 sogar zweistellig zu – weltweit wohl unerreicht unter den grossen Industrienationen.

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Ähnlich wie die Schweiz wurde Kanada während der Finanzkrise 2008/09 nicht von einer harten Rezession erfasst. Ähnlich wie in der Schweiz boomt in Kanada bereits seit Monaten der Immobilienmarkt und stützt so die Wirtschaft. Und ähnlich wie in der Schweiz nehmen auch in Kanada die Sorgen vor einem Platzen der Vermögensblase zu. Passiert ist bislang aber noch nichts.

Kanada und Schweiz lange im Gleichschritt

Entsprechend liegt die kanadische Wirtschaft bereits rund 7 Prozent über ihrem Niveau vor Beginn der Finanzkrise. Dabei schliesst die aktuelle Zeitreihe noch nicht das vierte Quartal 2013 mit ein, für das noch keine Daten veröffentlicht wurden. So gut wie Kanada performte keine der grossen sieben Wirtschaftsnationen (G7) seit Frühjahr 2008. Selbst Japan nicht, wo Regierung und Notenbanken mit allen Mitteln versuchen, die Konjunktur anzuschieben.

Schon Anfang 2008 begannen vielerorts die wirtschaftlichen Probleme – also noch deutlich vor dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers. Der Absturz, der folgte, war für einige Länder teils dramatisch: In Deutschland etwa rutschte die Wirtschaftsleistung binnen kürzester Zeit um über 6 Prozent ab. Die Schweiz erholte sich nach der vergleichbar milden Krise lange mit einem ähnlich hohen Tempo wie die kanadische Wirtschaft, im ersten Halbjahr 2010 erreichten beide Länder fast zeitgleich ihre wirtschaftlichen Vorkrisenniveaus.

Südeuropa liegt noch immer am Boden

Seitdem hat das Schweizer Wachstum allerdings etwas Fahrt verloren. Im Gegensatz dazu die US-Konjunktur: Lange tat sich die grösste Volkswirtschaft der Welt schwer – selbst Deutschland erholte sich von seiner historischen Rezession zwischenzeitlich schneller als die US-Wirtschaft. Im vergangenen Jahr dann platzte der Knoten: Industrie und Exporte legten zu, später besserte sich auch der amerikanische Arbeitsmarkt; Ende 2013 lag das amerikanische Bruttoinlandprodukt schliesslich 6,7 Prozent über dem Niveau von Frühjahr 2008. Da konnte dann auch die Schweiz nicht mehr mithalten: Sie ist in den vergangenen sechs Jahren um knapp sechs Prozent gewachsen.

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Tatsächlich dürfte es den Schweizern wirtschaftlich jedoch besser gehen als den Amerikanern. Darauf deuten andere wichtige Parameter. Somit ist hierzulande die Arbeitslosigkeit mit einer Quote von 3,2 Prozent nicht einmal halb so hoch wie in den USA. Auch die wirtschaftliche Ungleichheit ist deutlich geringer. Hinzu kommen freilich die öffentlichen Finanzen: Gemessen am BIP liegt die Verschuldung lediglich bei 35 Prozent – davon können fast alle grossen Industrieländer nur träumen. In den USA sind die staatlichen Verbindlichkeiten inzwischen auf die Grösse der gesamten Wirtschaftskraft angestiegen, in Japan sind sie sogar doppelt so gross.

Grossbritannien litt lange

Noch weit entfernt von ihren Vorkrisen-Niveaus sind hingegen die südeuropäischen Länder Italien und Spanien. Mit der globalen Rezession 2009 ging es auch in diesen Volkswirtschaften bergab. Als sich die Konjunktur allmählich stabilisierte, machten die Konsolidierungsprogramme die Erholung zunichte. In beiden Ländern stoppte der erneute wirtschaftliche Abwärtstrend erst in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres. Immerhin keimt mittlerweile die Hoffnung auf Besserung. Dennoch bleibt festzuhalten: Italiens Wirtschaft hat seit Frühjahr 2008 fast ein Zehntel eingebüsst. Griechenland büsste bis heute übrigens ein Viertel ein. Die Investitionen halbierten sich in etwa.

Für viele Beobachter überraschend verläuft die Erholung in Grossbritannien, das ebenfalls lange unter der Sparpolitik der Regierung litt. Seit einigen Monaten legt die britische Wirtschaft aber eine regelrechte Aufholjagd hin – und dürfte ihr Vorkrisen-Niveau wohl in diesen Monaten wieder erreichen.

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