Die OECD hat ihren Wirtschaftsausblick für die Weltkonjunktur und die Schweiz deutlich nach unten korrigiert. Die starke Frankenaufwertung habe der von den Exporten ausgehenden Wirtschaftsdynamik ein Ende gesetzt. Ausfuhren und Einfuhren seien seit Anfang Jahr drastisch eingebrochen.

Die Experten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) prognostizieren angesichts des Rückgangs der Konjunktur in den USA und China ein globales Wachstum von 3,1 Prozent in diesem Jahr. Das ist ein halber Prozentpunkt weniger als noch im November erwartet. Die OECD rechnet aber weiter mit einer schrittweisen Belebung der Weltkonjunktur. 2016 soll die Wirtschaft demnach um 3,8 Prozent zulegen.

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Bessere Aussichten für Deutschland

Für die Eurozone rechnet die OECD mit einem Wachstum von 1,4 Prozent im laufenden und von 2,1 Prozent im kommenden Jahr. Die Arbeitslosenquote in der Eurozone dürfte demnach weiterhin bei mehr als zehn Prozent liegen.

Für Deutschland, den wichtigsten Handelspartner der Schweiz, hob die OECD ihre Erwartungen dagegen wie erwartet an und folgte damit anderen Vorhersagen. Die deutsche Wirtschaft dürfe 2015 mit einem Plus von 1,8 Prozent rechnen. Für das kommende Jahr erwarten die Experten 2,4 Prozent.

Vertrauensverlust in der Schweiz

Deutlich darunter liegen die Prognosen für die Schweiz. Gemäss dem aktuellen Konjunkturausblick rechnet die OECD noch mit einem Wachstum des Bruttoinlandproduktes (BIP) von 0,8 Prozent im laufenden und 1,7 Prozent im kommenden Jahr. Ende November war die OECD noch von einem BIP-Wachstum von 1,5 Prozent im laufenden Jahr und 2,5 Prozent 2016 ausgegangen.

Der BIP-Rückgang von 0,2 Prozent im ersten Quartal habe «dem Vertrauen insgesamt einen Schlag versetzt» und das Konsumwachstum der privaten Haushalte dürfte im Jahresverlauf schwach bleiben, prophezeit die OECD. Zum Jahresanfang sanken denn auch die Detailhandelsumsätze in der Schweiz.

Arbeitslosenquote von 4,5 Prozent 

Unter der Frankenaufwertung leiden insbesondere die Exporte und die Unternehmensinvestitionen. Da die Margen vieler Firmen auf den Exportmärkten bereits zuvor gering waren, drohen bei weiter schrumpfenden Gewinnen der Aufschub von Investitionen und der Abbau von Arbeitsplätzen.

Für die Schweiz rechnet die OECD im laufenden Jahr mit einer Arbeitslosenquote von 4,5 Prozent gemäss ILO-Standard und im kommenden Jahr mit 4,6 Prozent. Damit lägen die helvetischen Arbeitslosenzahlen ungefähr auf dem Niveau Deutschlands (Prognose für 2015: 4,7 Prozent, 2016: 4,5 Prozent).

Konjunkturimpulse möglich

Die Auguren der OECD sehen aber nicht nur schwarz: Steigende Reallöhne, gesunkene Ölpreise und extrem niedrige Zinsen würden den Konsum in der Schweiz stützen. Ausserdem sei mit einer Beschleunigung des Exportwachstums nach Europa, insbesondere nach Deutschland, zu rechnen.

Die OECD weist ausserdem darauf hin, dass bei einer weiteren Verlangsamung des Wachstums dank gesunder öffentlicher Finanzen reichlich Spielraum für fiskalische Konjunkturimpulse besteht. Als wachstumsfördernde Massnahmen nennt die OECD unter anderem höhere Finanzierungsmittel für Kinderbetreuung und Bildung von Zuwanderungskindern, um die Beschäftigungschancen der Schweizer Frauen zu verbessern.

Der OECD gehören 34 Industrienationen an. Die Organisation veröffentlicht zwei Mal im Jahr einen Wirtschaftsausblick.

(sda/tno/ama)