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OECD sieht Frankenschock schon fast überwunden

Lichtshow auf dem Bundeshaus: Es geht aufwärts mit der Schweiz. Keystone

Die Schweizer Wirtschaft ist auf Erholungskurs. Die Nachfrage dürfte sich sowohl 2016, als auch 2017 lebhafter entwickeln, so die OECD. Doch es gibt gravierende Risiken.

Veröffentlicht am 01.06.2016

Nach dem Knick wegen des Frankenschocks zeigt sich für die Schweizer Wirtschaft wieder Licht am Ende des Tunnels. Gemäss den Prognosen der OECD dürfte das hiesige Bruttoinlandprodukt (BIP) in diesem Jahr um 1,2 Prozent zulegen.

2015 hatte sich das Konjunkturwachstum der Schweiz auf 0,9 Prozent abgeschwächt, nachdem die Schweizerische Nationalbank (SNB) am 15. Januar 2015 den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken aufgehoben hatte. Für 2017 erwartet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) eine Beschleunigung der Schweizer Wirtschaft auf 1,7 Prozent. Damit hat die OECD die Wachstumsprognosen ganz leicht erhöht. Im November hatte sie für beide Jahre noch ein um 0,1 Prozentpunkt tieferes Konjunkturwachstum erwartet.

Erholung der Exporte

«Nach einem schwachen Jahr 2015 dürfte sich das Wirtschaftswachstum unter dem Einfluss der Binnennachfrage, die durch Negativzinsen und steigende Reallöhne angekurbelt wird, allmählich lebhafter entwickeln», heisst es im OECD-Länderbericht zur Schweiz, der am Mittwoch anlässlich der Ministertagung in Paris veröffentlicht wurde.

Die negativen Effekte der starken Währungsaufwertung vom Januar 2015 würden abklingen, und der seit letztem Sommer stabile Wechselkurs begünstige eine Erholung der Exporte. Die OECD rechnet mit einem Exportwachstum von 6,2 Prozent in diesem Jahr nach lediglich 3,1 Prozent im 2015.

Andere Nachfragekomponenten würden dagegen schwächeln, insbesondere die Unternehmensinvestitionen und der Gebrauchsgüterkonsum. Eine Kräftigung des Privatkonsums und der Unternehmensinvestitionen dürfte für erhebliche Produktionszuwächse sorgen.

Weltwirtschaftsklima eingetrübt

Die Arbeitslosenquote werde voraussichtlich zurückgehen, allerdings nur etwas, da die Exportwirtschaft weiterhin durch das eingetrübte Weltwirtschaftsklima und den starken Franken beeinträchtigt werde.

Allerdings warnt die OECD: Sollte die Erholung der Weltwirtschaft und vor allem der europäischen Wirtschaft weiterhin schleppend verlaufen, würde dies das Schweizer Wachstum schmälern. Bei der Weltwirtschaft senkte die OECD ihre Prognosen für dieses Jahr von 3,3 auf 3,0 Prozent. Auch im nächsten Jahr dürfte die Weltkonjunktur lediglich um 3,3 Prozent zulegen statt wie bisher angenommen um 3,6 Prozent.

«Falle niedrigen Wachstums»

In ihrer Prognose geht die Organisation davon aus, dass in diesem Jahr die Wirtschaft in der Eurozone um 1,6 Prozent, in den USA um 1,8 Prozent und in China um 6,5 Prozent wachsen wird. Die Prognose für die USA (von 2,5 Prozent) und die Eurozone (von 1,8 Prozent) wurde dabei deutlich abgesenkt.

Nächstes Jahr solle dann die Weltwirtschaft um 3,3 Prozent zulegen. Im einzelnen betrage das Wachstum in der Eurozone 1,7 Prozent, in den USA 2,2 Prozent und in China nur mehr 6,2 Prozent. Hierbei wurden die Prognosen für die USA und die Eurozone um jeweils 0,2 Prozentpunkte gesenkt.

Fehlende Nachfrage, anhaltende Unsicherheit und ein gedrosseltes Tempo von Strukturreformen führten dazu, dass Unternehmen nur wenig investierten, analysierte OECD-Chefökonomin Catherine Mann. Der Welthandel werde langsamer wachsen als im historischen Durchschnitt. Die Welt sei in einer «Falle niedrigen Wachstums gefangen».

Beziehungen zur EU sind der Knackpunkt

Im Falle von Finanzmarktturbulenzen in Europa oder einer weiteren geldpolitischen Lockerung seitens der Europäischen Zentralbank (EZB) würde der Schweizer Franken unter Aufwertungsdruck geraten, was den Exporten schaden würde. Ein schweres Risiko für die hiesige Wirtschaft wäre ein Scheitern der Verhandlungen mit der EU über die Zuwanderungsquoten, schrieb die OECD.

Die Geldpolitik der SNB sei angemessen in Anbetracht der nach wie vor negativen Teuerung und des mittelfristigen Ziels, eine Aufwertung des Frankens zu verhindern. Die Vorsichtsmassnahmen von SNB und Aufsichtsbehörden müssten jedoch unter Umständen verstärkt werden, da die Hypothekenverschuldung äussert hoch sei.

Zudem hebt die OECD den Warnfinger: «Die Schweiz hat zwar eine relativ hohe Arbeitsproduktivität, die Verlangsamung des Produktivitätswachstums während der letzten Jahre ist jedoch besorgniserregend.» Der Wettbewerb im Energie- und Telekomsektor sollte verstärkt werden, und die Direktzahlungen an die Bauern sollten verringert werden.

(awp/gku/ama)

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