Die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte nach Ansicht von Experten wegen der sich abzeichnenden Konjunkturabkühlung bis in das kommende Jahr hinein an einem Zielzins unter null Prozent festhalten. 28 von 30 Volkswirte erwarten bei der nächsten geldpolitischen Lagebeurteilung der SNB am 19. März keine Änderung des Libor-Zielbandes, das derzeit von minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent reicht, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters zeigt.

Die Wachstumsprognose für das laufende Jahr dürfte die SNB im Einklang mit den Prognosen von Banken und Forschungsinstituten demnach auf 0,5 Prozent zurücknehmen. Im Dezember war die Notenbank noch von einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von rund 2 Prozent ausgegangen.

Teuerung bei minus 0,8 Prozent erwartet

Die Abschaffung der mehr als drei Jahre geltenden Euro-Kursuntergrenze von 1.20 Franken führte zu einer starken Aufwertung der Schweizer Währung. Der Euro fiel vorübergehend unter einen Franken. Auch wenn sich die Lage inzwischen etwas entspannt hat - aktuell werden für die Gemeinschaftswährung 1,0755 Franken bezahlt - stellt sich die exportabhängige Schweizer Industrie auf härtere Zeiten ein.

Eine ganze Reihe von Firmen hat die Arbeitszeiten verlängert und sucht Möglichkeiten für weitere Kostensenkungen. Ökonomen rechnen mit einer kurzen Rezession. Vorausweisende Indikatoren wie der Einkaufsmanagerindex zeigen, dass sich die Stimmung markant verschlechtert hat. Bei der Teuerung dürfte die SNB nach Ansicht der Ökonomen dieses Jahr im Mittel minus 0,8 Prozent veranschlagen und für das kommende Jahr von stabilen Preisen ausgehen.

Erhöhter Erklärungsbedarf

Nach den Schockwellen der Mindestkurs-Abschaffung dürfte die SNB erhöhten Erklärungsbedarf sehen. Anders als sonst will sich die Notenbank nicht wie im ersten Quartal üblich auf die schriftliche Bekanntgabe der geldpolitischen Beschlüsse beschränken. SNB-Präsident Thomas Jordan will die Entscheidungen zusammen mit seinen beiden Direktoriums-Kollegen vor Medien erläutern. Der SNB-Chef hat gesagt, die Notenbank habe bei den zur Attraktivitätsminderung des Frankens eingeführten Negativzinsen noch Spielraum nach unten.

Die Banken müssen nach Einschätzung der Experten keinen höheren Strafzins auf ihre Einlagen bei der SNB fürchten. Lediglich fünf Befragte erwarten, dass die Geldhäuser im Laufe dieses Jahres für Einlagen bei der SNB mit mehr als den derzeit geltenden 0,75 Prozent Abschlag belegt werden. 

(reuters/tno/ama)

Anzeige