Der Raiffeisen-Chefökonomen fordert den Bund auf, der Wirtschaft unter die Arme greifen, um die Auswirkungen des Frankenschocks abzufedern. In Bern müsse ein Umdenken stattfinden, weil Bedarf an politischen Eingriffen bestehen, sagte Martin Neff. Als aussichtsreichste Massnahme nannte er anlässlich der Präsentation der volkswirtschaftlichen Jahresprognose die gezielte Absicherung von Währungsrisiken für Firmen und Branchen, für die «Hoffnung besteht».

Die konjunkturstützenden Massnahmen sollten vom Bund finanziert werden, nicht von der Nationalbank, so Neff. Die Gründe: Die Unabhängigkeit der SNB müsse gewahrt werden. Zudem dürften die Währungshüter nicht in Verdacht geraten, Klientelpolitik zu betreiben. Eine Wiedereinführung des Mindestkurses sei nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres «unglaubwürdig und würde der Schweiz schaden», sagte Neff. Die SNB habe am 15. Januar 2015 bereits «genug geschadet».

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Selektive Hilfen besser als neuer Mindestkurs

Martin Neff ist damit der erste bekannte Chefökonom in der Schweiz, der vom Bund deutliche Massnahmen fordert. Selbst die Gewerkschaften nehmen Bundesbern nicht in die Pflicht, sondern plädieren für die Einführung eines neuen Mindestkurses seitens der SNB.

In den Genuss der Konjunkturhilfen sollten demnach jedoch nicht alle Schweizer Firmen flächendeckend kommen, sondern nur jene mit einer ausreichend hohen Wettbewerbsfähigkeit. Dies jedoch sei schwer zu bestimmen, räumte Neff ein. Unternehmen mit einer höheren Umsatzmarge als 2,5 bis 3 Prozent sollten demnach unterstützt werden.

Beispiellose Aufwertung des Franken

Nach Ansicht des Ökonomen hat die Schockwelle, welche die Nationalbank mit der Aufgabe der Frankengrenze vor gut einem Jahr auslöste, bis heute noch nicht ihre volle Entfaltung in der Realwirtschaft entwickelt. Dies geschehe erst langsam und mit Verzögerung. Problematisch laut Neff ist, dass die Schweiz eines der wenigsten Länder der Welt sei, das seine Wirtschaft einem derart rauen Klima aussetze, ohne Härten abzufedern.

Noch nie seit den 1920er Jahren habe der Franken so stark und stetig aufgewertet wie in den vergangenen Jahren seit Ausbruch der Finanzkrise 2008. Aktuell begännen viele Firmen erst damit, den Währungsschock zu verdauen. Vielerorts sei man selbst knapp ein Jahr nach Aufgabe der Frankengrenze noch immer im «Improvisationsmodus». Auch das häufig angewandte Instrument der Mehrarbeit bei gleichem Lohn sei keine dauerhafte Massnahme. In der Industrie, schätzt Neff, dürfte noch eine fünfstellige Zahl an Stellen verloren gehen.

Schweizer BIP wächst 2016 nur leicht stärker

Insgesamt werde die Arbeitslosenquote in diesem Jahr von 3,2 auf 3,6 Prozent steigen, erwarten die Raiffeisen-Experten. Für das Bruttoinlandprodukt rechnen die Ökonomen für 2016 lediglich mit einer leicht stärkeren Expansion als im vergangenen Jahr: Nach 0,7 Prozent dürfte die gesamtwirtschaftliche Produktion um 0,9 Prozent zulegen.

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