Für Sparer sind die anhaltend tiefen Zinsen ein Fluch, für Mieter allerdings ein Segen. Und erst noch einer, der seine Wirkung auf absehbare Zeit entfalten wird: Die Grossbank Credit Suisse rechnet damit, dass der soeben auf 1,5 Prozent gesenkte Referenzzinssatz bis ins zweite Halbjahr 2019 auf diesem Niveau verharren wird. Verlangen Mieter also jetzt eine Reduktion ihrer Miete beim Vermieter, dürften sie gut zwei Jahre lang deutlich weniger Geld fürs Wohnen zahlen als bisher.

Um ab September 2017 von einer gesenkten Miete zu profitieren, müssen Mieter per eingeschriebenem Brief eine Senkung verlangen. Entsprechende Musterbriefe gibt es bei den diversen Mieterverbänden oder Konsumenorganisationen (zum Beispiel hier). Wichtig: Der Brief muss bis spätestens Ende Juni beim Vermieter eintreffen.

Das Gesetz der Trägheit

Credit-Suisse-Ökonom Fabian Waltert hat sogar noch eine weitere gute Nachricht für die Mieter. «Wir rechnen damit, dass der Referenzzinssatz auch nach der zweiten Hälfte 2019 nur sehr langsam ansteigen wird.» Der Grund dafür ist, dass der Referenzzinssatz aus den Durchschnittszinsen sämtlicher laufender Hypotheken berechnet wird. Und Durchschnittswerte reagieren nun mal träge auf Veränderungen.

Dies umso mehr, als es viele Schweizer Wohnungs- und Hausbesitzer vorziehen, Hypotheken mit fixen Laufzeiten abzuschliessen. Finanzierungsmodelle, die auf einem täglich wechselnden Zinssatz wie dem Libor basieren, sind deutlich weniger beliebt, obwohl sie günstiger sind als Fixhypotheken.

Zinswende bei den Hypothekarkrediten bereits eingesetzt

Doch ewig wird der Referenzzinsatz nicht tief bleiben. Wie CS-Ökonom Waltert festhält, hat die Zinswende an den Kapitalmärkten und bei den Hypothekarkrediten bereits eingesetzt – allerdings nur zögerlich. Das zeigt auch untenstehende Grafik des Internetvergleichdienstes Comparis zur Zinsentwicklung für verschiedene Hypotheken-Laufzeiten

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Quelle: Comparis

Der aktuelle Rückgang des Referenzzinssatzes war erwartet worden. Bereits vor drei Monaten hatte nur wenig für eine Senkung gefehlt. Der neue Referenzzinssatz gilt ab Freitag. Wegen der Senkung ergibt sich für Mieter im Grundsatz, dass sie eine Reduktion der Mieten um 2,91 Prozent verlangen können. Im Einzelfall hängt die Anpassung davon ab, wann die letzte Mietzinsreduktion vorgenommen wurde.

Grundsätzlich können weitere Senkungs- und Erhöhungsansprüche geltend gemacht werden. Diese betreffen auf Seiten der Mieter vorherige, nicht weitergegebene Reduktionen des Referenzzinssatzes. Vermieter hingegen können höhere Unterhaltskosten geltend machen oder 40 Prozent der Jahresteuerung anrechnen.

Noch nie gestiegen

Seit der Einführung vor bald zehn Jahren ist der Referenzzinssatz noch nie gestiegen. 2008 lag er noch bei 3,5 Prozent, danach sank er immer weiter. Seit Juni 2015 galt der Referenzzinssatz von 1,75 Prozent.

(mit sda)