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Herbergen
Rekordsommer rettet Hotels vor Frankenschock

Für die Schweizer Hotels federt das schöne Wetter die Folgen des SNB-Entscheids ab. Sie müssen im ersten Halbjahr zwar einen leichten Rückgang hinnehmen, aber die Einbussen sind gering.

Veröffentlicht am 04.08.2015

Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses sind die Schweizer Hotels mit einem blauen Auge davongekommen. Zwar mussten sie einen leichten Rückgang bei den Übernachtungen hinnehmen. Der befürchtete Einbruch blieb dank der asiatischen Gäste allerdings aus.

Im ersten Halbjahr sank die Zahl der Übernachtungen um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahressemester. Insgesamt gab es von Januar bis Ende Juni 17 Millionen Logiernächte, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Dienstag anhand von provisorischen Ergebnissen bekannt gab. Das sind 109'000 weniger als vor einem Jahr. Der Rückgang liegt an den Ausländern. Bei den ausländischen Touristen sank die Nachfrage um 1,9 Prozent. Derweil lagen Inländer häufiger in hiesigen Hotelbetten (plus 0,9 Prozent).

Schweizer entscheiden sich für Ferien daheim

Hier habe das schöne Sommerwetter geholfen, sagte der Geschäftsführer des Verbandes Hotelleriesuisse, Christoph Juen, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda: «Schweizer scheinen sich kurzfristig entschieden zu haben, hierzulande Ferien zu machen.» Auch der Juli scheine gut gewesen zu sein, auch wenn noch keine Zahlen vorliegen würden.

«Wir hoffen jetzt auf ein paar schöne Tage im August», sagte Juen. Das schöne Wetter habe einen Teil des Frankenschocks wettgemacht. Auf der anderen Seite gehe der Rückgang der Nachfrage aus Europa, der bereits seit geraumer Zeit anhalte, weiter.

Einbruch bei europäischen Gästen

Auf dem «alten Kontinent« machte sich die Abschaffung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) besonders deutlich bemerkbar. Hier sank die Zahl der Übernachtungen um 8 Prozent. Vor allem die preisempfindlichen Deutschen blieben fern. Deutschland verbuchte mit einem Minus von 198'000 Übernachtungen die deutlichste absolute Abnahme aller Herkunftsländer. Das sind 9,1 Prozent weniger als vor einem Jahr. Auch die Nachfrage aus Frankreich (minus 7,1 Prozent), Italien (minus 7,6 Prozent) und den Niederlanden (minus 9,4 Prozent) sackte erheblich ab.

Neben dem Frankenschock wirkte sich auch die Ukraine- und Russlandkrise aus. Bei den Gästen aus Russland brachen die Übernachtungen um beinahe einen Drittel ein, während die Zahl ukrainischer Gäste um 11,8 Prozent abnahm.

Asiaten kommen häufiger

Dagegen machten die Asiaten einen Teil des Rückgangs wett. Die Zahl der Übernachtungen von Asiaten stieg um 16,1 Prozent. Besonders die Chinesen kamen zahlreicher. Hier kletterten die Übernachtungszahlen um ein Drittel.

Mit 135'000 Logiernächten wies China (ohne Hongkong) das stärkste absolute Wachstum aller Herkunftsländer aus. Auch die Inder (plus 26,7 Prozent) und die Thais (plus 35 Prozent) kamen zahlreicher. Und das Wachstum aus dem amerikanischen Kontinent ging weiter mit einem Plus von 6,7 Prozent.

Trotz des Zustroms aus Asien halte der Druck auf die Margen an, sagte Juen. Denn die Dauer des Aufenthalts werde kürzer. So blieben Chinesen und Koreaner im Durchschnitt eineinhalb Tage in der Schweiz. «Das ist mehr ein Durchhuschen.« Für den Hotelier bedeute das mehr Kosten. Bei einem schnellen Wechsel der Gäste steige der Aufwand. Die deutschen Gäste seien für Schweizer Hotels profitabler. Den Einbruch bei ihnen könnten die Asiaten trotz ihrer steigenden Zahl nicht wettmachen, sagte Juen.

Leichtes Minus gegenüber Vorjahr

Von den Tourismusregionen erlitten vor allem die Alpenkantone Graubünden (minus 4,4 Prozent) und Wallis (minus 4,1 Prozent) die grössten Rückgänge. Auch die Ostschweiz (minus 5,3 Prozent) musste einen erheblichen Dämpfer hinnehmen. Demgegenüber lief das Geschäft in der Region Zürich rund mit einem Plus von 4,3 Prozent. Auch in der Region Luzern/Vierwaldstättersee nahm die Zahl der Übernachtungen um 5,8 Prozent zu.

Alleine im Monat Juni stiegen die Übernachtungen in der Schweiz um 0,2 Prozent. Um einen aussagekräftigen Vergleich machen zu können, seien aber die Auswirkungen von Pfingsten zu beachten, das 2014 im Juni stattfand und 2015 im Mai lag. Folglich seien die Resultate der Monate Mai und Juni gemeinsam zu betrachten, schreibt das BFS. In beiden Monaten gab es 5,8 Millionen Übernachtungen in Schweizer Hotels. Das sind 0,1 Prozent weniger als vor einem Jahr.

(sda/me/ama)

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