Ein belgischer Reisecar ist am Dienstagabend im Autobahntunnel nahe Siders im Wallis verunfallt. Der Car prallte frontal in die Wand. 28 Menschen starben. Die meisten Opfer sind Kinder im Alter von 12 Jahren, die auf dem Heimweg aus den Skiferien im Val d'Anniviers waren.

Unter den Toten sind 22 Kinder, wie die Walliser Behörden am Mittwochmorgen in Siders mitteilten. 24 weitere Kinder wurden bei dem Unfall verletzt. Sie wurden in vier Spitäler im Wallis gebracht; drei besonderes schwer verletzte Kinder wurden in die Unispitäler von Lausanne und Bern geflogen.

Der Reisebus war gegen 21:15 Uhr in dem Tunnel der A9 bei Siders aus noch ungeklärten Gründen auf die rechte Seite geraten. Dort hatte er Randsteine touchiert und war in der Folge frontal in eine Nothalte-Nische geprallt. Unter den Toten sind auch die beiden Chauffeure des Cars sowie die vier erwachsenen Begleiter der Kinder. Der Car wurde bei dem Aufprall schwer beschädigt, zahlreiche Insassen waren im Wrack gefangen.

Busgesellschaft mit «exzellentem» Ruf

Der Bus gehörte zur Busgesellschaft «Toptours» mit Sitz in Aarschot, in der belgischen Provinz Flämisch-Brabant. Die Gesellschaft habe einen «exzellenten» Ruf, sagte der belgische Staatssekretär für Verkehr, Melchior Wathelet.

Die Busfahrer seien am Vortag im Val d'Anniviers eingetroffen, sagte Wathelet nach Angaben der Nachrichtenagentur Belga. Sie hätten den Dienstag vor Ort verbracht, «es scheint, dass also die Vorschriften über die Ruhe- und Fahrzeit eingehalten wurden», erklärte der Staatssekretär. Er verwies auf die laufenden Untersuchungen, die sehr wichtig seien, da sich der Unfall kurze Zeit nach der Abfahrt und auf gerader Strasse ereignet habe. Es scheine kaum möglich, dass der Busfahrer müde gewesen oder eingeschlafen sei.

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Bisher weise alles darauf hin, dass der Reisecar modern und aus der «neusten Generation» von Bussen stamme, sagte Wathelet. Er sei mit allen nötigen Sicherheitsvorkehrungen, also auch Gurten, ausgerüstet gewesen.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

Wathelet rief in Erinnerung, dass in Belgien viel in die Sicherheit von Busreisen investiert worden sei. In Belgien würden «sehr strikte» Sicherheitsregeln angewandt, welche den europäischen Standards entsprächen oder sogar darüber hinaus gingen.

«Wir haben alle Erinnerungen an unsere eigenen Busreisen. Ich war als Kind auch in solchen Wintersportferien, in denen wir uns frei im Bus bewegten», erzählte Wathelet. Nun werde einem bewusst, wie gefährlich das gewesen sei.

Cartourisme Suisse, die Fachgruppe Car beim Schweizerische Nutzfahrzeugverband, schreibt in einer Mitteilung: «Die Tragödie ist ein Schock für die ganze Branche.» Man spreche den Angehörigen der Opfer sein tiefempfundenes Beileid aus.

Retter kämpfen mit den Tränen

Die Rettungsaktion im Tunnel dauerte die ganze Nacht über an. Über 200 Rettungssanitäter, Feuerwehrleute, Ärzte und Polizisten standen im Einsatz. Die Verletzten wurden mit sieben Helikoptern und Dutzenden Ambulanzen in die umliegenden Spitäler eingeliefert. Die Autobahn war in beiden Richtungen gesperrt.

Eine Tragödie dieses Ausmasses habe es im Wallis noch nie gegeben, sagte der Kommandant der Walliser Kantonspolizei, Christian Varone, am Morgen vor den Medien. Der medizinische Leiter der kantonalen Walliser Rettungsorganisation, Jean-Pierre Deslarzes, rang sichtlich um Worte. Alle im Einsatz stehenden Helfer seien geschockt von dem, was sie erlebt hätten, sagte er.

Die Tatsache, dass Kinder betroffen seien, habe alles nur noch schwerer gemacht. Den Rettern war am Morgen die Belastung des nächtlichen Einsatzes anzusehen, einige kämpften mit den Tränen. Einige Angehörige werden noch am Mittwoch im Wallis erwartet. Psychologen werden sie begleiten und betreuen.

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(tno/vst/sda)