Die Zähringerstädte Bern und Thun sind sich in ihrem Kern nicht unähnlich. Dieser Umstand wurde nun der Marketingorganisation Schweiz Tourismus zum Verhängnis. Im Jahresbericht 2014 wird die Thuner Altstadt kurzerhand in die Bundesstadt verlegt.

Zwecks Veredelung des für gewöhnlich ziemlich trockenen Berichts setzte Schweiz Tourismus auf doppelseitige Abbildungen der touristischen Dauerbrenner. Zu sehen ist etwa das Matterhorn oder auch der Rheinfall - ganz zuvorderst erblickt der etwas überraschte Leser aber den Thuner Mühleplatz.

«Politisches Zentrum» am Thunersee verortet

Der in den 1990er-Jahren neugestaltete Platz weiss zwar durchaus zu gefallen. Zum Unesco-Welterbe gehört er aber - anders als in der Bildlegende suggeriert - beim besten Willen nicht. Ebenso wenig lässt sich das «politische Zentrum der Schweiz» am Thunersee verorten. Dieses liegt, wie in der Legende richtig vermerkt, aareabwärts in Bern.

Es wäre nun ein Leichtes, einen Praktikanten für das Missgeschick verantwortlich zu machen. Doch die Medienverantwortliche von Schweiz Tourismus, Daniela Bär, flüchtet sich nicht in Ausreden. «Das ist unser Fehler, und wir ärgern uns sehr darüber.»

Beliebtes Winter-Reiseziel Österreich

Bei der Gestaltung des Jahresberichts seien die Fotos mehrmals ausgewechselt worden – und in einem Fall sei die Bildlegende unverändert geblieben. Im Bericht, der auf der Internetseite aufgeschaltet sei, werde man den Fehler selbstverständlich korrigieren. In der gedruckten Ausgabe aber bleibt der Etikettenschwindel bestehen.

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Mit den Zahlen der Reisenden hat der Lapsus nichts zu tun. Doch auch diese dürften den Verband nicht erfreuen, denn Schweizer mögen Österreich als Winter-Reiseziel. Fast zwei Millionen Übernachtungen von Schweizer Gästen zählte das Nachbarland in der zu Ende gehenden Wintersaison. Das waren rund fünf Prozent mehr als im Vorjahr.

Mehr Schweizer im eigenen Land

Zumindest im Februar - dem ersten vollen Monat ohne Euro-Mindestkurs - verbrachten allerdings auch mehr Schweizer als im Vorjahr die Winterferien im eigenen Land: Das Bundesamt für Statistik (BFS) vermeldete einen Anstieg von 8,4 Prozent bei den Übernachtungen von Schweizern. Bei den Ausländern betrug der Zuwachs 3,8 Prozent.

Der Branchenverband Hotelleriesuisse erklärte sich den Zuwachs vor allem mit den wegen des frühen Ostertermins vorgezogenen Sportferien an den Schweizer Schulen. Wider Erwarten seien wegen des starken Frankens auch kaum Buchungen storniert worden.

(sda/me)