Die Erwartungshaltung von Ökonomen und Analysten in Bezug auf den Schweizer Konjunkturverlauf in den kommenden sechs Monaten hat sich im Juli verschlechtert. So ist der sogenannten ZEW-Indikator im Berichtsmonat gegenüber dem Vormonat um 13,5 auf noch 5,9 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit März gesunken.

Die befragten Finanzexperten würden damit nicht länger mit einer baldigen Verbesserung der hiesigen Konjunkturlage rechnen. Der Brexit-Entscheid dürfte mit ein Grund für diese Eintrübung gewesen sein, halten die Credit Suisse und das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in einer Mitteilung vom Mittwoch fest. Die beiden Institute berechnen den Index auf monatlicher Basis.

Erwartungen für Eurozone abgestürzt

Im Detail erwartet nun ein grösserer Teil der Befragten (64,7 Prozent, +9,9 Punkte) eine unveränderte Konjunkturlage, während noch 20,6 Prozent (-11,7) von einer Verbesserung ausgehen. Der Anteil Ökonomen, die eine Verschlechterung erwarten, ist mit 14,7 Prozent (+1,8) weiterhin gering. Der ZEW-Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten «Verbessern» und «Verschlechtern» (20,6 minus 14,7 = 5,9).

Deutliche Spuren hat der Brexit-Entscheid auch in den Erwartungen hinsichtlich der künftigen Konjunkturentwicklung in der Eurozone hinterlassen: Der Ausblick für die Eurozone sank um 32,4 Punkte auf -22,0 Zähler. Die Erwartungen für die US-Wirtschaft blieben mit 25,0 Punkten derweil praktisch unverändert.

Zinserhöhungen weniger wahrscheinlich

Rund 80 Prozent der Befragten erwarten weiterhin keine Änderung der kurzfristigen Zinsen in der Schweiz. Der Anteil derjenigen, die tiefere kurzfristige Zinsen erwarten, ist jedoch im Juli von 0 Prozent auf 20 Prozent gestiegen. Praktisch gleich ist das Verhältnis der Erwartungen für die kurzfristigen Zinsen in der Eurozone.

Die Zinserwartungen für die USA haben sich im Nachgang des Brexit-Entscheids gar noch deutlicher verändert als jene für Europa und die Schweiz: Während bei der Erhebung im Juni noch eine deutliche Mehrheit mit einem Anstieg der kurzfristigen Zinsen im kommenden halben Jahr gerechnet hat, gehen im Juli nur noch 39 Prozent von steigenden Zinsen aus. 55 Prozent der Befragten rechnen nun mit konstanten kurzfristigen Zinsen.

Franken dürfte sich abschwächen

Bei den Währungen dürfte sich der Franken gegenüber dem Euro in den kommenden sechs Monaten nach Einschätzung der Analysten tendenziell eher abschwächen. Der entsprechende Saldo steht bei -8,5 Zählern. Die Einschätzungen bezüglich der Entwicklung des US-Dollar zum Franken fielen dagegen klar aus: Bei einem Saldo von -45,7 Punkten rechnen die Analysten mit einer Erstarkung der US-Währung. Diese Meinung hat sich im Juli verstärkt - im Vergleich zum Vormonat ist der Indikator um knapp 16,6 Punkte gesunken.

Die aktuelle Umfrage wurde zwischen dem 4. und 15. Juli durchgeführt, wobei sich 35 Analysten daran beteiligten.

(awp/gku/ama)

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