Auch bei der Abgeltungssteuer ist die Euphorie verflogen, wie das veröffentlichte Bankenbarometer des Beratungsunternehmens Ernst & Young aufzeigt, für das im Dezember 120 Banken (ohne die beiden Grossbanken) befragt wurden.

Vor einem Jahr hatte noch eine klare Mehrheit von 73 Prozent der Banken erwartet, dass sich die Steuerabkommen letztlich positiv auswirkt. Nun sind es noch 46 Prozent. Ernst & Young-Experte Hans-Joachim Jaeger begründete die Ernüchterung vor den Medien in Zürich unter anderem mit dem anhaltenden Widerstand von der deutschen Opposition und der EU-Kommission.

Trotzdem gehen 89 Prozent der befragten Institute davon aus, dass die neuen Steuerabkommen nicht zu bedrohlichen Abflüssen von Kundengeldern führen werden. Denn die Banken profitierten in der Schuldenkrise davon, dass die Schweiz als sicheres, stabiles Land gelte. Wegen rückläufiger Margen bleibe der Konkurrenz- und Konsolidierungsdruck in der Vermögensverwaltung aber hoch.

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Markante Eintrübung

Insgesamt beurteilten nur noch 15 Prozent der befragten Privat-, Auslands-, Regional- und Kantonalbanken die aktuelle Geschäftsentwicklung als positiv. Im Vorjahr waren es 52 Prozent gewesen. Es herrscht aber keine Weltuntergangsstimmung: 71 (Vorjahr: 92) Prozent erwarten für 2012 eine positive oder eher positive Geschäftsentwicklung.

Von 28 auf 59 Prozent deutlich gestiegen ist der Anteil der Banken, die von einer restriktiveren Kreditvergabe ausgehen. Denn insbesondere Regional- und Kantonalbanken erwarten, dass Wertberichtigungen und Rückstellungen für Ausfallrisiken zunehmen.

So gaben die Banken an, im vergangenen Jahr bei Hypothekarkrediten in knapp 10 Prozent der Fälle Ausnahmen in Bezug auf die Kriterien für Tragbarkeit, Belehnung und Amortisation akzeptiert zu haben, sagte der Leiter des Bankenbaromters, Patrick Schwaller.

Widerstand gegen Regulierung steigt

Deutlich skeptischer sind die Banken gegenüber einer strikteren Regulierung. Die Mehrheit ist der Ansicht, dass die Zusatzkosten nicht auf Kunden und Produkte überwälzt werden können. Deshalb müssten Aktionäre mit tieferen Renditen und die Bankangestellten mit niedrigeren Vergütungen rechnen, heisst es in der Studie.

Als geeignetste Massnahme gegen das Problem zu grosser Banken («too big to fail») erachten die Banken strengere Eigenmittelvorschriften, gefolgt von der Abtrennung der Investmentbanken.

Einen grossen Rückhalt von 89 Prozent geniesst das Euro-Mindestkursziel von 1.20 Franken der Schweizerischen Nationalbank (SNB). 55 Prozent der Schweizer Banken sehen den ökonomischen Wert des Frankens gar bei mindestens 1.30 Franken.

Nachdem vor einem Jahr 63 Prozent der Banken von eine eher positiven Entwicklung an den Finanzmärkten ausgingen, erwarten dies nun für das laufende Jahr nur noch 18 Prozent. Dies kontrastiert teils stark mit zuversichtlichen Prognosen von Anlageberatern in der Presse.

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