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Schweizer Exporte nach Deutschland sacken ab

Historische Uhren von Patek Philippe: Der aktuelle Handel lässt nach.   Keystone

Die Ausfuhren zum grössten Handelspartner der Schweiz haben im August stark nachgelassen: 10 Prozent weniger Waren hat Deutschland bezogen. Das trifft die Uhrenindustrie schwer.

Veröffentlicht am 18.09.2014

Während im August die Importe zulegten, stagnierten die Ausfuhren Schweizer Waren ins Ausland. Insbesondere nach Deutschland, das grösste Abnehmerland, führte die Wirtschaft weniger aus. Die Exporte fielen um rund 10 Prozent auf 2,6 Milliarden Franken. Der Handel mit weiteren europäischen Ländern entwickelte sich unterschiedlich. Auch wenn sich etwa die Ausfuhren insbesondere von Pharmaprodukten nach Irland vervierfachten, resultierte unter dem Strich ein Exportrückgang nach Europa von 3 Prozent.

Dagegen stieg die Nachfrage nach Schweizer Waren in den USA an, wo der Wirtschaftsmotor aktuell brummt: Die Exporte erhöhten sich um 17 Prozent auf 1,8 Milliarden Franken, wie die Eidg. Zollverwaltung (EZV) am Donnerstag mitteilte. Auch die Ausfuhren nach Asien legten um 2,8 Prozent zu. Besonders der Export nach China florierte mit einem Wachstum von 20,9 Prozent. Dennoch vermochten Nordamerika und Asien den Rückgang in Europa nicht vollständig auszugleichen.

Ein Arbeitstag fehlt

Insgesamt stagnierten die Exporte im Monat August gegenüber dem Vorjahresmonat. Sie wuchsen nominal lediglich um 0,5 Prozent auf 14,9 Milliarden Franken. Real, also unter Ausklammerung der Teuerung von 4,0 Prozent, nahmen sie um 3,4 Prozent ab. Laut der EZV ist dies jedoch darauf zurückzuführen, dass heuer der August einen Arbeitstag weniger zählte als 2013. Ohne diesen Effekt wären die Ausfuhren um 5,5 Prozent nominal und um 1,4 Prozent real gestiegen.

Saisonbereinigt resultierte ein Plus von 0,6 Prozent, womit die Exporte zum vierten Mal innerhalb von fünf Monaten zulegten und einen Wachstumstrend signalisieren. Real ergab sich allerdings ein leichter Rückgang um 0,7 Prozent. Ein starkes Exportwachstum wiesen im August insbesondere die Bijouterie- und Juwelierwaren mit einem Plus von 78 Prozent auf, nachdem die Exporte im August 2013 noch eher schwach ausgefallen waren. Die Verkäufe von Textilien, Bekleidung und Schuhen, Nahrungs- und Genussmitteln sowie der Chemisch-Pharmazeutischen Industrie ins Ausland legten zu. Dagegen verzeichnete etwa die Maschinen- und Elektronikindustrie einen Rückgang.

Uhrenexporte nach Deutschland schwächeln

Auch die Uhrenexporte nahmen gegenüber dem Vorjahresmonat leicht um 0,2 Prozent auf 1,5 Milliarden Franken ab. Die Ausfuhren nach Hongkong, die mit 18,4 Prozent den grössten Anteil der Uhrenexporte ausmachen, brachen um 8,4 Prozent auf 274,5 Millionen Franken ein.
Das ist bereits der vierte Rückgang in Folge, wie Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie am Donnerstag mitteilte. Auch hier war der Rückgang in Deutschland am stärksten: Hier fielen die Exporte um 15,8 Prozent. Dagegen erhöhten sich die Ausfuhren von Schweizer Uhren in die vier weiteren Hauptabnehmerländer USA, China, Japan und Frankreich.

Weltweit betrachtet nahm die Nachfrage sowohl nach sehr günstigen als auch nach hochpreisigen Uhren leicht ab, während Uhren des mittleren Preissegmentes von 200 bis 500 Franken ein Wachstum von 7,8 Prozent verzeichneten. Der August sei traditionell einer der schwächsten Monate in Hinblick auf die Uhrenexporte, erklärte der Verband.

Ende der grossen Wachstumsphase

Nachdem allerdings die Uhrenindustrie noch 2012 monatlich zweistellige Zuwachsraten beim Export verbucht hatten, zeichnete sich in den letzten zwei Jahren mit einstelligen Raten ein Ende der grossen Wachstumsphase ab. Seither sind auch Rückgänge keine Seltenheit mehr: Dieses Jahr resultierte etwa bereits im März ein leichtes Minus von 0,3 Prozent. Der Export hat für die Schweizer Uhrenbranche traditionell einen enormen Stellenwert. Rund 95 Prozent des Gesamtumsatzes stammt von Verkäufen ins Ausland.

(sda/me/ama)

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