Die Industrie will zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit die Gehälter in den Unternehmen selber festlegen können. Der Präsident des Verbands der Metall-, Elektro- und Maschinenbauindustrie Swissmem, Hans Hess, stellt sich gegen die Mindestlohn-Initiative der Gewerkschaften und die 1:12-Initiative der Juso.

Die Annahme dieser Initiativen würde eine schädliche Eingriffsmöglichkeit des Staates in den Freiheiten der Unternehmen schaffen, sagte Hess anlässlich des Industrietages des Verbands in Freiburg.

Die Wettbewerbsfähigkeit verlange die dauernde Möglichkeit zu Investitionen, weswegen auch die Löhne nicht auf ein unvernünftiges Mass steigen dürften. Ein Unternehmen in Schwierigkeiten müsse zudem zwingend die Kosten reduzieren können. Um Arbeitsplätze zu erhalten und gleichzeitig Sparmassnahmen umsetzten zu können, brauche es einen Manövrierraum bei den Löhnen, die oft über die Hälfte der Kosten ausmachten. Die Schweiz gehöre zu den Ländern mit den höchsten Löhnen weltweit.

Arbeit, Marge, Lohn

Für ein Gleichgewicht der drei Aspekte Arbeit, Margen und Löhne brauche es einen liberalisierten Arbeitsmarkt und Rahmenbedingungen, welche den Firmen Handlungsspielraum lasse. Die beiden Initiativen, welche Einfluss auf die Löhne haben, seien dafür eine Gefahr, sagte Hess.

Derweil haben die Unternehmen der MEM-Industrie an der Generalversammlung des Branchenverbands Swissmem den neuen Gesamtarbeitsvertrag genehmigt. Damit erhalten die Angestellten in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) künftig mindestens 3'300 Franken Lohn im Monat. Der neue Gesamtarbeitsvertrag sei ein Kernanliegen der MEM-Industrie, betonte Swissmem-Präsident Hans Hess am Industrietag vor den Mitgliedern. Acht Monate lang wurde verhandelt. Der GAV trage den Bedürfnissen der Unternehmen in der Schweiz Rechnung, ganz im Gegensatz zu staatlichen Lösungen.

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GAV bis 2018

Im neuen Gesamtarbeitsvertrag, dem gemäss Swissmem 96'000 Arbeitnehmer unterstellt sind, ist zudem eine Woche Vaterschaftsurlaub vorgesehen. Im Gegenzug können die Arbeitgeber flexibler auf Auftragsschwankungen reagieren und 200 Stunden Überzeit auf das neue Jahr übertragen. Bisher waren es 100 Stunden.

Der neue GAV soll Anfang Juli in Kraft treten und bis 2018 gelten. Der Industrietag steht unter dem Motto «Arbeit - Marge -Lohn». Referent ist unter anderem Bundesrat Alain Berset.

(muv/jev/sda)