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Untersuchung
Schweizer Jugendliche telefonieren weniger

Fast alle jungen Schweizer Handybesitzer besitzen ein Smartphone. Sie nutzen ihre Telefone dabei anders als noch vier Jahren, zeigt eine aktuelle Studie. Und sie werden häufiger im Netz gemobbt.

Karen Merkel
Von Karen Merkel
am 30.10.2014

Smartphone ist Standard: 97 Prozent aller Schweizer Handybesitzer unter 18 Jahren haben ein internetfähiges Mobiltelefon. Vor vier Jahren war es gerade einmal die Hälfte, wie die James-Studie der ZHAW Zürcher Hochschule zeigt.

James steht für «Jugend Aktivitäten Medien Erhebung Schweiz». Alle zwei Jahre befragt die ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften im Auftrag von Swisscom über 1000 Jugendliche im Alter von 12 bis 19 in den drei grossen Sprachregionen der Schweiz zu ihrem Medienverhalten. Es ist die dritte Studie dieser Art, damit lassen sich erstmals Trends ablesen.

Medienverhalten ändert sich radikal

Die Zahlen zeigen: Das Medienverhalten junger Nutzer ändert sich schnell und radikal. Die mobilen Geräte würden dabei immer seltener im Sinne ihrer Ursprungsfunktion eingesetzt, sagt ZHAW-Forscher und Studienleiter Daniel Süss. Das heisst: Die Smartphones dienen häufiger zum Surfen und seltener zum Telefonieren.

Im Vergleich zu den Vorgängerstudien hat die Internetnutzung stark zugelegt: 2010 surften gerade einmal 16 Prozent aller Jugendlichen mit ihrem Handy im Netz. 2012 waren es 68 Prozent und in diesem Jahr sind es 87 Prozent. Musik hören, E-Mail schreiben, Handygames spielen – diese Bereiche werden immer wichtiger. Das Telefonieren selbst nimmt an Bedeutung ab. Telefonierten 2012 noch 81 Prozent der befragten Jugendlichen häufig mit ihrem Handy, sind es jetzt noch 71 Prozent.

Junge Nutzer schätzen Instagram

Dafür gewinnen Fotografieren und Filmen an Bedeutung. Die Ergebnisse teilen Jugendliche gerne in sozialen Netzwerken teilen. Die meisten von ihnen sind in mindestens einem sozialen Netzwerk angemeldet. Facebook ist noch immer die Nummer eins. Bei den ganz Jungen allerdings punktet Instagram: Zwölf- bis Dreizehnjährige ziehen das Foto-Netwerk vor.

Auch wenn Schweizer Jugendliche viel mit ihrem Smartphone beschäftig sind, sind sie insgesamt nicht mehr online unterwegs als vorher. Die Gewohnheiten haben sich lediglich auf das Handy verlagert. Sie surfen wie vor vier Jahren auch im Durchschnitt zwei Stunden täglich im Internet, am Wochenende drei Stunden. Den meisten von ihnen ist es wichtig, ihre Freunde auch viel persönlich zu sehen. 79 Prozent machten diese Angabe. Süss sagt: «Die medienbezogenen Freizeitbeschäftigungen haben eine begleitende Funktion und können das Bedürfnis der Jugendlichen nach Zusammensein nicht ersetzen.»

22 Prozent haben Erfahrung mit Online-Mobbing

Bedenklich ist allerdings, wie viele Jugendlich Erfahrungen mit Mobbing im Netz machen: 22 Prozent der Befragten gaben an, dass sie schon einmal jemand online fertig machen wollte. Vor vier Jahren lag dieser Wert bei 20 Prozent, 2012 bei 17 Prozent. 

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