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Schweizer Presse lobt SNB-Entscheid

Die SNB will den Euro-Fanken-Wechselkurs bei 1.20 halten (Bild: Keystone)

Die Schweizer Tageszeitungen begrüssen in ihren Kommentaren einhellig den Nationalbank-Entscheid, für den Euro einen Mindestkurs von 1.20 Franken festzulegen. Allerdings warnt die Presse auch vor den

Veröffentlicht am 07.09.2011

Als «mutig und wohl nötig» beurteilt die «NZZ» schon im Kommentar-Titel den Schritt der Nationalbank (SNB), eine Wechselkurs-Untergrenze von 1.20 Franken pro Euro mit allen Mitteln zu verteidigen. Die Flucht in den Franken habe nämlich dazu geführt, dass die Schweizer Exportwirtschaft nicht mehr gewusst habe, womit sie rechnen und budgetieren solle.

Bisher habe die SNB auf Placebo gesetzt, jetzt mache sie Ernst, schreibt der «Tages-Anzeiger». Höher habe die Nationalbank nicht gehen dürfen, tiefer als auf 1.20 Franken pro Euro auch nicht, sonst «hätte sie die Wettlust der Finanzmärkte ins Unermessliche gesteigert». Auf den ersten Blick bleibe das Risiko somit kalkulierbar.

Realistisch betrachtet, habe aber trotzdem «das grösste Abenteuer in der Schweizer Währungspolitik seit der Freigabe der Wechselkurse begonnen», heisst es im Zürcher Blatt weiter. Denn mit der deutlich erhöhten Geldmenge drohe auch Inflation.

Tiefer Euro - oder hoher Franken?

Der «Tages-Anzeiger» spricht von einer Erholung des Euro, die mit der Intervention der Nationalbank erfolgt sei. Von Frankfurt oder Washington aus gesehen dürfte die Sache genau umgekehrt erscheinen: geschwächt wurde der Franken.

Die «Berner Zeitung» titelt in ihrem Kommentar gar mit einem «Tag für die Geschichtsbücher». Ob die Aktion der Nationalbank ein Erfolg werde, hänge vom weiteren Verhalten der Devisenhändler und der Politik ab, heisst es dort. Trotz Warnungen könne aber von einer Anbindung an die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank nicht die Rede sein.

Der neue Franken-Mindestkurs, den die Nationalbank «auf Teufel komm raus verteidigen will (und muss)», verschaffe Tausenden von kleinen und mittelgrossen Schweizer Exportfirmen endlich die Planungssicherheit, die ihnen in den vergangenen Monaten abhanden gekommen war, betont die «Basler Zeitung» («BaZ»).

«SNB kann Schweiz nicht retten»

Die Zeitung vom Rheinknie warnt allerdings: Das grundlegende Problem von Wechselkursverzerrungen könne die Nationalbank auch mit milliardenschweren Devisenkäufen nicht aus der Welt schaffen. «SNB kann Schweiz nicht retten» titelt die «BaZ» denn auch in ihrem Kommentar.

Das «St.Galler Tagblatt» lobt die Nationalbank - einerseits. Der «mutige Eingriff» sei aber «zugleich ein äusserst heikles Unterfangen», warnt das Ostschweizer Blatt ebenso. Ob die Untergrenze von 1.20 Franken tatsächlich gehalten werden könne, zeige sich nämlich, «wenn erste Spekulanten das Bollwerk testen».

Die Nationalbank sei aber jedenfalls klug genug gewesen, «nicht direkt die Maximalforderungen zu erfüllen, die ein Kursziel von 1.40 Franken verteidigt sehen wollten». Und auch das «St.Galler Tagblatt» warnt vor einer zumindest mittelfristigen Inflationsgefahr. Doch: «Ganz ohne Blessuren wird wohl niemand der Währungskrise entkommen», schlussfolgert die Zeitung.

(tno/sda)

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